Politik : „Iraker sind ein stolzes Volk“ Autor Tariq Ali: Widerstand gegen USA ist verbreitet

Christian Böhme

Tariq Ali zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft des Iraks: Der Widerstand in der Bevölkerung gegen Amerikaner und Briten wird nicht geringer werden, sondern noch größer und militanter. Das sei nicht verwunderlich, sagt der linke Bestsellerautor („Bush in Babylon“) und Arabien-Experte. Die Iraker sähen in den Soldaten und Zivilbeamten aus dem Westen nur eines: verhasste Besatzer.

„Die Iraker sind ein stolzes Volk. Und die Amerikaner werden nicht als Befreier angesehen, sondern als Kolonialherren, die man aus dem Land vertreiben muss“, sagt der 60-jährige in Pakistan geborene Autor im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Im Irak gebe es eine lange Tradition, sich gegen fremden Einfluss zu wehren. Das hätten die Verantwortlichen in Washington wissen müssen. Immerhin habe Großbritannien in den 20er- und 30er-Jahren selbst schon als Kolonialmacht im Irak schlechte Erfahrungen gemacht. Ali hält es ohnehin für unwahrscheinlich, dass hinter dem Widerstand nur unverbesserliche Saddam-Anhänger und Terroristen von Al Qaida stecken. „Das ist schon eine Sache des Volkes.“

Die Situation im Irak erinnert Ali in vielerlei Hinsicht an den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Soldaten, die Angst um ihr Leben haben und gegen Verdächtige und deren Familien vorgehen. Menschen, die darin Willkür sehen und mit Gewalt reagieren. Große Sorgen macht sich Ali um die irakischen Kinder und Jugendlichen. „Diese Kinder, die gezwungen sind, unter Besatzern heranzuwachsen, werden in nicht ferner Zukunft eine neue Intifada beginnen.“ Den einzigen Ausweg sieht Ali in freien Wahlen. So schnell wie möglich.

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