Politik : Irakische Offensive gegen Milizen

Mehr als 100 Tote bei tagelangen Kämpfen

Basra - Bei den anhaltenden schweren Kämpfen zwischen den Streitkräften im Irak und Anhängern des radikalen Schiitenpredigers Muktada al Sadr sind mehr als hundert Menschen getötet worden. Laut Polizei starben allein bei Gefechten in Kut südöstlich von Bagdad Donnerstag früh 44 Menschen. In der Hafenstadt Basra, wo die Kämpfe am Dienstag nach einem Militäreinsatz begonnen hatten, wurde eine Ölpipeline durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt. Wütende Schiiten forderten den Rücktritt von Regierungschef Nuri al Maliki, der den Befehl zu der Armeeoffensive gegeben hatte. US-Präsident George W. Bush bewertete das Vorgehen der irakischen Regierung positiv.

In Kut töteten irakische Sicherheitskräfte nach Polizeiangaben 40 schiitische Milizionäre. Auch vier Polizisten seien ums Leben gekommen und mindestens 75 Menschen verletzt worden, sagte der örtliche Polizeichef. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Kut sporadische Scharmützel gegeben, bei denen Augenzeugen zufolge Milizionäre durch die Straßen stürmten und Läden und öffentliche Gebäude in Brand steckten. Aus Basra, wo die Kämpfe auch am Donnerstag weitergingen, meldete das Rote Kreuz 23 Tote. Laut US-Armee verlegte die irakische Regierung 2000 zusätzliche Sicherheitskräfte nach Basra.

Seit dem Rückzug der britischen Truppen im Dezember sind die einheimischen Behörden selbst für die Sicherheit in dem wichtigen Ölhafen verantwortlich. Basra war am Donnerstag durch den Brand der beschädigten Ölpipeline in eine Wolke aus schwarzem Rauch gehüllt. Ein Sprecher des betroffenen Konzerns Southern Oil Company sagte, die Pipeline sei am Morgen durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt worden. Der Ölexport aus dem Irak werde dadurch in Mitleidenschaft gezogen.

In Sadr City, einem überwiegend von Schiiten bewohnten Bagdader Stadtteil mit rund zwei Millionen Einwohnern, versammelte sich eine Menschenmenge und forderte Malikis Rücktritt. „Maliki ist ein US-Agent“, „Maliki, verlasse die Regierung“ riefen sie und „Wie konntest du nur Basra angreifen?“. Im Norden der Hauptstadt trugen Anhänger Muktada al Sadrs einen mit rotem Stoff bedeckten Sarg, auf dem ein Foto Malikis vor dem Hintergrund einer US-Flagge befestigt war. Maliki hatte die Aufständischen in Basra am Mittwoch zur Waffenabgabe aufgefordert und dafür ein Ultimatum von 72 Stunden gesetzt.

Bush begrüßte in einem von mehreren ausländischen Medien veröffentlichten Interview das entschlossene Vorgehen der Regierung in Bagdad. Demnach sprach er von einem „positiven Moment“ in der Entwicklung des Landes. AFP

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