Politik : Iran droht nach Abschuss mit Militär Nato in Afghanistan vermisst US-Drohne

Teheran/Bonn - Im Konflikt zwischen dem Iran und den USA droht eine militärische Eskalation. Die iranische Armee schoss ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug der USA ab, berichtete ein staatlicher Fernsehsender der Islamischen Republik am Sonntag. Zudem drohte die Regierung in Teheran mit einer militärischen Reaktion außerhalb des Irans.

Die näheren Umstände des Abschusses im Osten des Irans blieben zunächst unklar. Der staatliche, arabisch-sprachige Sender Al Alam berief sich in seinem Bericht auf einen Militärvertreter, dessen Name nicht genannt wurde. „Die iranische Armee hat die eindringende amerikanische Drohne RQ-170 im Osten des Landes abgeschossen“, sagte er. Das Flugzeug habe nur geringen Schaden erlitten und sei von iranischen Soldaten beschlagnahmt worden. Die Bodenkontrolleure der Drohne hätten Ende vergangener Woche die Kontrolle über das Flugzeug verloren und sich seitdem darum bemüht, „seinen Status festzustellen“, meldete das Hauptquartier der Nato-geführten Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Die Regierung in Teheran wertete den Vorfall als Verletzung des Luftraums. „Irans militärische Reaktion auf die Verletzung unseres Luftraumes durch die amerikanische Spionagedrohne wird nicht mehr auf die iranischen Grenzen beschränkt bleiben“, zitierte Al Alam einen Militärvertreter.

Es ist nach Vorfällen im Januar am Golf und im Juli in Kom das dritte Mal in diesem Jahr, dass der Iran den Abschuss westlicher Aufklärungsflugzeuge meldet. Experten zufolge könnte die Regierung in Teheran zur Vergeltung Angriffe im Persischen Golf fliegen oder die Meeresstraße von Hormus schließen, durch die rund 40 Prozent der Ölproduktion aus der Golfregion exportiert wird. Die USA wiesen Anfang und Mitte des Jahres Berichte über einen Abschuss zurück.

Die deutschen Sicherheitsbehörden verdächtigen den Iran, für den Fall eines US-Angriffs Anschläge auf amerikanische Militärflugplätze in Deutschland zu planen. Generalbundesanwalt Harald Range hatte am Donnerstag in Karlsruhe ein entsprechendes Ermittlungsverfahren bestätigt. Eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Die Alarmbereitschaft der US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein wurde einer Sprecherin zufolge zunächst nicht erhöht.

Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran haben sich zugespitzt, nachdem die US-Regierung und Großbritannien ihre Sanktionen im Atomkonflikt verschärft hatten. Am Dienstag stürmten Hunderte iranische Demonstranten die britische Botschaft in Teheran. Danach wies Großbritannien die iranischen Vertreter aus und rief seine eigenen Diplomaten zurück. Auch Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande holten ihre Botschafter aus Teheran nach Hause. Salehi habe den Vorfall bedauert und versichert, dass sich so etwas nicht wiederholen werde. Salehi ist Gast bei der Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn an diesem Montag. Westerwelle hatte zuvor nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die iranische Teilnahme begrüßt. rtr/dpa

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