Iran : Neue Proteste gegen Ahmadinedschad

Begleitet von Solidaritätskundgebungen in aller Welt haben in Teheran Hunderte Anhänger der Opposition demonstriert. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Nach Angaben von Augenzeugen skandierten am Samstag hunderte Menschen bei einer Demonstration im Norden Teherans Parolen wie "Tod dem Diktator" oder "Allahu Akbar" ("Gott ist groß"). Die Polizei sei eingeschritten, um die Demonstration aufzulösen, hieß es von unbestätigten Quellen. Auch Angehörige der Bassidsch-Miliz seien gewaltsam gegen Anhänger der Reformbewegung vorgegangen, berichteten Augenzeugen. Die Demonstranten, die sich auf dem belebten Vanak-Platz versammelt hatten, hätten den Namen des Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi gerufen und eine Wiederholung der Präsidentenwahl vom 12. Juni gefordert. Mindestens zwei Demonstranten seien geschlagen und festgenommen worden.

Weltweit wurde am Samstag in rund 80 Städten gegen das Vorgehen der iranischen Regierung demonstriert. In Berlin, London, Paris, Genf, Amsterdam, Wien und anderen europäischen Städten folgten Demonstranten dem Aufruf zu einem weltweiten Aktionstag gegen Gewalt in der islamischen Republik. In Berlin nahmen nach Angaben der Veranstalter mehr als 500 Menschen an den Aktionen teil, in Wien versammelten sich 300 Demonstranten.

In New York strömten zahlreiche Menschen zum Times Square und folgten damit einem Aufruf der Organisation "United 4 Iran". Die Demonstranten wollten auch vor das Gebäude der Vereinten Nationen ziehen. Auf der Webseite der Veranstalter unterstützten Hollywood-Schauspieler Sean Penn und Robert Redford sowie Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu die internationalen Proteste gegen das Regime in Iran. Der weltweite Aktionstag wurde von Amnesty International, Reporter ohne Grenzen und der Autorenvereinigung P.E.N. unterstützt.

Auf Plakaten forderten Demonstranten in Berlin, Düsseldorf und Hamburg die Freilassung der Iraner, die bei Protesten festgenommen worden waren. "In Iran werden seit sechs Wochen die grundlegenden Rechte mit Füßen getreten", sagte Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Die internationale Staatengemeinschaft müsse sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen und dürfe es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen.

Auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin setzten etwa drei Dutzend ehemalige politische Gefangene aus Iran ihren Hungerstreik fort. Auf Decken und Matten wollten die Regimegegner noch bis zu diesem Sonntag ausharren. Sie verlangen die Abschaffung der Todesstrafe und eine Trennung von Staat und Religion in Iran.

In Iran war es in den vergangenen Wochen mehrfach zu Massenprotesten gekommen, die zum Teil blutig niedergeschlagen wurden. Dabei wurden mindestens 20 Menschen getötet. Nach Amnesty-Schätzungen gab es mehr als 2000 Festnahmen.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa

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