Politik : Iran: Reform-Präsident Chatami kandidiert erneut

Der iranische Präsident Mohammed Chatami will für eine zweite Amtszeit kandidieren. Chatami erschien am Freitag im Teheraner Innenministerium, um sich als Kandidat für die Wahl am 8. Juni registrieren zu lassen. In der letzten Zeit hatte es Spekulationen gegeben, ob der als Reformer geltende Politiker tatsächlich noch einmal vier Jahre Präsident sein will.

Sein Zögern erklärte Chatami vor Journalisten damit, dass er sich gefragt habe, ob er seine Anliegen effektiver als Präsident oder mit einer Tätigkeit im Kulturbereich voranbringen könne. Chatami war früher Kulturminister. Der Wunsch des Volkes habe schließlich den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben. Beobachter im Iran glauben jedoch, dass Chatami wegen der engen Grenzen seines Amtes zögerte. Entscheidungen treffen letztlich die von Klerikern dominierten zwölf Mitglieder des Wächterrats. Dieser kann Gesetze mit seinem Veto blockieren und sorgt für die strikte Einhaltung der strengen islamischen Grundsätze im öffentlichen Leben und in der Politik. Gegenspieler Chatamis während der letzten Jahre war vor allem die erzkonservative Justiz, die Reformer verhaften ließ, sie verurteilte und liberale Zeitungen verbot.

Zur Bilanz seiner ersten Amtszeit sagte der Präsident, die Iraner hätten "einen hohen Preis" für die demokratischen Errungenschaften der vergangenen vier Jahre gezahlt. "Wir hatten viele Probleme, und wir hatten viele Erfolge. Der endgültige Erfolg wird jedoch die Durchsetzung des Volkswillens sein."

Bislang haben sich insgesamt 130 Kandidaten zur Präsidentenwahl registrieren lassen. Allerdings entscheidet der Wächterrat noch über die endgültige Zulassung der Bewerber. Beobachter sehen gute Chancen für Chatami, vor allem unter den Studenten und den 20- bis 30-Jährigen.

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