Iran : Regimegegner in Gefängnissen vergewaltigt

Zahlreiche junge Demonstranten sollen in den iranischen Gefängnissen vergewaltigt und misshandelt worden sein. Bereits am Sonntag hatte der Polizeichef des Landes Misshandlungen von Gefangenen eingeräumt.

Martin Gehlen

Der Reformgeistliche und Präsidentschaftskandidat Mehdi Karroubi hat schwere Vorwürfe gegen die iranische Gefängnisverwaltung erhoben. Zahlreiche junge Demonstranten seien in ihren Zellen vergewaltigt und misshandelt worden, schrieb der langjährige Sprecher des Parlaments auf seiner Internetseite und beruft sich dabei auf Informationen von hohen Justizbeamten. Von sexuellen Übergriffen seien sowohl Frauen als auch Männer betroffen. „Junge weibliche Inhaftierte wurden so brutal vergewaltigt, dass sie schwere Verletzungen erlitten“, erklärte Karroubi. Bei allen Opfern habe der Missbrauch Depressionen und schwerwiegende seelische Probleme ausgelöst. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein Augenzeuge öffentlich gemacht, aus seiner Zelle in dem inzwischen geschlossenen Polizeigefängnis Kahrizak im Süden Teherans seien drei der jüngeren Insassen jeden Tag von Wärtern vergewaltigt worden. „Wir konnten immer wieder ihre Schreie hören“, sagte der Student aus. Anschließend sei den Opfern von ihren Peinigern eine Beruhigungsspritze verabreicht worden. Nach seinen Worten sind alle drei inzwischen in Freiheit und wieder bei ihren Familien.

Er habe die „wirklich beschämenden“ Vorfälle in einem Brief an Hashemi Rafsandschani dokumentiert, schrieb Karroubi weiter. Er forderte Rafsandschani auf, dem Obersten Religionsführer Ali Chamenei die Vorfälle darzulegen und klarzustellen, „dass die Geistlichkeit und die Islamische Republik dafür verantwortlich gemacht werden wird“. Der einflussreiche Ex-Präsident hat als Vorsitzender des Expertenrats eine zentrale Position im iranischen Machtgefüge. Ursprünglich wollte Rafsandschani diese Woche zum zweiten Mal nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad das Freitagsgebet in Teheran halten, ließ aber am Montag seinen Auftritt absagen.

Am Sonntag hatte bereits der iranische Polizeichef Ismail Ahmadi-Mokaddam zugegeben, dass Gefangene in den Haftanstalten misshandelt worden sind. Einige Beamte hätten sich nicht an die Vorschriften gehalten, sagte der Polizeichef. Der Direktor von Kahrizak sei festgenommen und entlassen worden, ebenso wie zwei der Wärter. Unklar ist, ob den dreien der Prozess gemacht wird. Ahmadi-Mokaddam stritt ab, dass Häftlinge zu Tode geprügelt worden sind. Sie seien an einer Virusinfektion gestorben. Vor zwei Wochen hatte die iranische Gefängnisverwaltung den Eltern zweier Erschlagener mitgeteilt, ihre Söhne seien an Gehirnhautentzündung gestorben und hätten diese Krankheit bereits vor ihrer Festnahme gehabt. Bisher spricht das Regime in Teheran offiziell von 30 im Zuge der Unruhen getöteten Demonstranten. In der Umgebung von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi geht man jedoch davon aus, dass in Wirklichkeit rund 300 Menschen ums Leben gekommen sind.

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