Politik : Iran treibt Atomprogramm voran

Atombomben auch bald im Iran? Die Aufsichtsbehörde IAEO schließt nach Analyse von Satellitenbildern eine „militärische Dimension“ der Urananreicherung zumindest nicht aus. Westliche Experten sind höchst besorgt.

Jan Dirk Herbermann[Genf]

GenfDer Iran treibt sein Atomprogramm unbeirrt voran und missachtet konsequent die Anordnungen des UN-Sicherheitsrates. Das geht jetzt aus einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) hervor. Die IAEO-Ermittler können darin die "Existenz möglicher militärischer Dimensionen" des iranischen Nuklearprogramms nicht ausschließen. Außerdem warnen Experten: Trotz Sanktionen des Sicherheitsrates gegen den Iran geraten Atomwaffen immer mehr in die Reichweite der politischen Führung des Landes.

Somit finden die USA und ihre Verbündeten weiter keine wirksame Strategie gegen die Nuklearambitionen Teherans. Washington verdächtigt die Iraner, eine atomare Bewaffnung anzustreben. Teheran bestreitet das. Am Donnerstag steht der Fall Iran im Gouverneursrat der IAEO, dem eigentlichen Entscheidungsgremium neben der jährlichen Vollversammlung, zur Debatte.

Der Report der Wiener UN-Behörde stellt klar: Die Iraner zielen weiter darauf ab, Uran auf industriellem Niveau anzureichern. Teherans Spezialisten haben den Angaben nach rund 630 Kilogramm niedrig angereichertes Uran produziert. Damit ignoriert Teheran die zentrale Forderung des UN-Sicherheitsrates, der mehrmals die Einstellung der Urananreicherung verlangt hat. Die Iraner bestehen jedoch darauf, dass sie Uran nur zu zivilen Zwecken anreichern.

Niedrig angereichertes Uran dient der Energieerzeugung, mit hoch angereichertem Uran können Spezialisten Atombomben bauen. Teheran könnte mit 700 bis 800 Kilogramm niedrig angereichertem Uran etwa 20 bis 25 Kilogramm waffentaugliches Uran herstellen schreibt das amerikanische Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit über das niedrig angereicherte Uran der Iraner. "Genug für eine grobe spaltbare Waffe", so die Einschätzung der Fachleute. "Es besteht definitiv Grund zur Beunruhigung", sagt auch Andreas Persbo vom Londoner Vertic-Zentrum.

Große Sorge bereitet den westlichen Experten auch der iranische Schwerwasserreaktor in Arak. Der UN-Sicherheitsrat ordnete mehrmals einen Baustopp für die Anlage an. Doch aufgrund von Satellitenbildern hält die IAEO in ihrem Bericht fest, dass "die Konstruktion des Reaktors voranschreitet". An einer anderen Stelle schreiben die Ermittler, die Einrichtung sei einsatzbereit. Beim Betrieb eines Schwerwasserreaktors fällt Plutonium an – ein Stoff, den die Iraner für die Produktion von Atombomben einsetzen könnten. Robert Einhorn, ein früherer Abteilungsleiter für Nonproliferation im US-Außenministerium, warnt seit Jahren vor den möglichen Konsequenzen einer kompletten Inbetriebnahme der Anlage. "Wenn der Arak-Reaktor fertiggestellt ist, wird er in der Lage sein, genügend Plutonium für zwei Bomben pro Jahr zu produzieren", prognostiziert Einhorn.

Die IAEO-Ermittler beschuldigen die Iraner auch der mangelnden Kooperationsbereitschaft. So verweigern die Iraner den Inspekteuren Informationen in relevanten Bereichen ihres Atomprogramms. Deshalb will die IAEO die Existenz von undeklarierten Atommaterialien und -aktivitäten der Iraner nicht ausschließen.

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