Iran : Welchen Kurs wählen die USA?

Samthandschuhe und Säbelrasseln: Im Atomstreit mit Iran sendet die US-Regierung an die Führung in Teheran unterschiedliche Signale.

Washington - Während US-Außenministerin Condoleezza Rice die Mullahs im Fall eines Einlenkens mit der Wiederaufnahme direkter Beziehungen lockt, droht Vizepräsident Dick Cheney unverhohlen damit, dass alle Optionen - also auch ein Militärschlag - auf dem Tisch liegen. Diplomatie sei nicht einfach nur reden, sondern erfordere Glaubwürdigkeit aus einer Position der Stärke heraus, erklärt der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Bill Richardson, die Doppelstrategie.

Ganz in diesem Sinne haben die USA seit Verabschiedung der ersten Iran-Resolution im Weltsicherheitsrat vor zwei Monaten weiter an der Drohkulisse gebaut. In der neuesten Ausgabe des "New Yorker" schreibt der Pulitzer-Preisträger und Mann mit gewöhnlich besten Quellen, Seymour Hersh, dass ein Militärschlag gegen Iran auf Befehl des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden ausgeführt werden könne. Beim Generalstab des Pentagons sei eine spezielle Planungsgruppe für einen Luftkrieg gegen den Iran geschaffen worden.

Was planen die USA?

Ein Flottenverband um den zweiten Flugzeugträger "USS John C. Stennis" ist inzwischen in den Persischen Golf eingelaufen. Cheney nennt das ein "sehr starkes Signal an jedermann in der Region", dass die vom Iran ausgehende Gefahr sehr ernst genommen werde. Die USA haben auch Minensuchboote für den Fall stationiert, dass Iran die Routen der mit Rohöl beladenen Tankschiffe in der Straße von Hormus, einer Meeresenge im Persischen Golf, mit Minen blockieren sollte.

Und schließlich spitzten US-Militärkommentatoren bei der Berufung eines Admirals zum neuen Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos die Ohren. Die Ernennung von Admiral William Fallon deute darauf hin, dass die USA etwas anderes als einen Bodenkrieg im Sinn hätten, schreibt Patrick Lang, früherer Mitarbeiter des Armeegeheimdienstes, in einem Diskussionsforum im Internet. Für den Iran bedarf es keiner Spione im Pentagon, um zu wissen, was bei einem Donnerschlag aus der Luft und von der See aus auf das Land zukommen könnte. Nach Informationen des US-Nachrichtenmagazins "Time" sollen zur Auslöschung des iranischen Atomprogramms 1500 Ziele bombardiert werden.

Einsatz von Atomwaffen angedacht?

Selbst der Einsatz von so genannten taktischen Atomwaffen werde erwogen, um unterirdische Bunkeranlagen zu brechen, schreibt der US- Autor Craig Unger in einem in der "Vanity Fair" veröffentlichten Iran-Dossier. Weil die USA den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hätten und damit ein Land ohne Atomwaffen wie Iran nicht mit Atomwaffen angreifen dürften, könnte der Verbündete Israel ins Spiel kommen. Israel habe zwar den Besitz von Atomwaffen offiziell nicht zugegeben, andererseits aber auch nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Israel fühlt sich in seiner Existenz bedroht, falls der Iran einmal Atomwaffen besitzen sollte.

Das auf internationale Sicherheitsfragen spezialisierte Internet- Portal globalsecurity.org führt bereits eine Rubrik "Angriffsziel Iran - Zeitleiste des Countdowns". Danach wird der Weltsicherheitsrat die nächste Iran-Resolution irgendwann nach dem 9. März, nach Ende der Tagung des Gouverneursrates der Atomenergie-Behörde (IAEO), verabschieden. Sollte alle Diplomatie in den kommenden Monaten nichts fruchten, dann könnte der Angriff in den Wochen vor dem 3. September, dem offiziellen Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA erfolgen, spekulieren die Autoren.

Ungeachtet aller Drohkulissen setzt die US-Regierung derzeit weiter auf Diplomatie und ein gemeinsames Vorgehen der Weltgemeinschaft. "Wir planen nicht für einen Krieg gegen Iran", sagte zuletzt Verteidigungsminister Robert Gates. Die US-Medien berichten unter Berufung auf hochrangige Regierungsbeamte, dass Iran vor allem mit spürbaren Sanktionen im Finanzbereich zum Einlenken gezwungen werden soll. Noch besteht nach den Worten von Außenministerin Rice die Hoffnung, dass die "vernünftigen Kräfte" in Iran den Kurs ändern und das Zepter an sich reißen. (Von Hans Dahne, dpa)

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