Politik : Iran zeigt den USA kalte Schulter

Andrea Nüsse[Kairo]

Die internationale Irakkonferenz im ägyptischen Scharm al Scheich ist am Freitag mit der Selbstverpflichtung der Regierung von Premier Nuri al Maliki zu Ende gegangen, die Milizen aufzulösen und die politische Versöhnung voranzutreiben. Diese Versprechen sind nicht neu, aber die internationale Gemeinschaft und insbesondere die arabischen Nachbarstaaten haben bei der zweitägigen Treffen deutlich gemacht, dass jede finanzielle und politische Unterstützung der von Schiiten und Kurden geführten Regierung an die Erfüllung dieser Bedingungen geknüpft ist. Enttäuscht wurden die Erwartungen, dass die USA und Iran die Gelegenheit für ein Treffen auf Ministerebene nutzen.

Während sich US-Außenministerin Condolezza Rice auf der Abschlusspressekonferenz deutlich machte, dass sie die Gelegenheit zu einem Gespräch genutzt hätte, zeigte Iran den Amerikanern die kalte Schulter. Dies wurde bereits Donnerstagabend deutlich, als der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki ein Abendessen verließ, bei dem er an einem gemeinsamen Tisch mit Rice sitzen sollte. Angeblich stieß sich Mottaki an der zu wenig bekleideten russischen Geigerin, die für die Außenminister musizierte. Doch in seiner Rede am Freitag kritisierte Mottaki die amerikanische Besatzung im Irak und forderte einen Zeitplan zum Abzug. Er verurteilte den Versuch, Irak in einen Standort für „Terroristen“ zu verwandeln, die von hier aus Angriffe auf Nachbarländer planten. Ein iranischer Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, damit habe Mottaki Länder wie die USA gemeint, die fünf iranische Diplomaten in Irak festgenommen hatten, was ein „terroristischer Akt“ sei.

Der irakische Außenminister Hoschja Sebari hatte betont, dass die Verringerung der Spannungen zwischen den USA sowie Iran und Syrien „im Interesse“ Iraks seien. Am Donnerstag hatten sich Rice und der syrische Außenminister Walid Muallem zu einem halbstündigen Gespräch getroffen. Die Abschlussresolution enthält keine Forderung nach einem Zeitplan für den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak. Insbesondere die arabischen Staaten hatten sich für eine entsprechende Klausel starkgemacht, die eine der Hauptforderungen vieler Aufständischer in Irak ist.

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