Politik : Iranische Terrorzelle in Bangkok plante Attentate gegen Israelis

Nach Indien und Georgien erreicht der Nahost-Konflikt Thailand. Netanjahu will Vergeltung, Teheran feiert demonstrativ Fortschritte seines Atomprogramms.

von und Sascha Zastiral[Bangkok]
Explosionen. Thailändische Polizisten untersuchen den Tatort in Bangkok. Foto: AFP
Explosionen. Thailändische Polizisten untersuchen den Tatort in Bangkok. Foto: AFPFoto: AFP

Der Konflikt zwischen dem Iran und Israel spitzt sich zu. Nach den Anschlägen von Georgien und Indien, die israelischen Diplomaten galten und hinter denen Teheran vermutet wird, wurde nun in Thailand eine mutmaßliche iranische Terrorzelle ausgehoben. Dabei verdanken die thailändischen Sicherheitsbehörden Zugriff einem Unfall.

Vor wenigen Wochen hatten drei iranische Männer und eine Frau ein Haus in Bangkok gemietet, das offenbar als Versteck und zum Bau von Bomben diente, wie lokale Medien berichten. Dabei ereignete sich eine Explosion, welche die Polizei auf den Plan rief. Bevor zwei der Männer verhaftet werden konnten, soll einer von ihnen noch einen Sprengsatz oder eine Handgranate auf ein Auto geworfen haben, er verletzte sich dabei selbst schwer. Auch das gemietete Haus wurde in Teilen zerstört. Thailand will die zwei Verhafteten anklagen, einer von ihnen soll mittlerweile in Malaysia festgenommen worden sein.

„Bei unseren Ermittlungen haben wir einen Typ Sprengstoff gefunden, der darauf hindeutet, dass es sich bei den vorbereiteten Zielen um Einzelpersonen handelt“, sagte Wichean Potephosree, Leiter des thailändischen Nationalen Sicherheitsrats am Mittwoch. Die Zerstörungskraft der Sprengsätze, die in dem schwer beschädigten Haus gefunden worden seien, habe nicht dazu ausgereicht, um „große Gruppen oder große Gebäude anzugreifen“. Seine Schlussfolgerung: Die Männer sollen ein gezieltes Attentat geplant haben – ähnlich der Attacke auf israelische Diplomaten in Indien und Georgien am Montag. Dabei hatten die Attentäter Sprengsätze mit Magneten an die Fahrzeuge ihrer Opfer angebracht. Ähnliche Vorrichtungen wurden nun auch in dem Haus in Thailand entdeckt.

Der isrealische Regierungschef Benjamin Netanjahu berief am Mittwoch angesichts der „Verstrickung des Irans in wiederholte Versuche, israelische Ziele zu attackieren und seine tiefe Verstrickung in Terrorakte rund um die Welt“ das Sicherheitskabinett ein. Dieses beschloss „präventive Maßnahmen“. Teheran jedoch wies am Mittwoch jede Beteiligung an den Vorfällen erneut deutlich von sich.

Israelische Medien brachten die beiden Anschläge in Georgien und Indien noch mit dem vierten Jahrestag der Tötung des Top-Terroristen Imad Mughnija in Verbindung, für die die Hisbollah Israel verantwortlich macht. Doch spätestens seit dem Anschlagsversuch in Bangkok sind sich Experten einig: Der Iran will sich für die Tötung mehrerer Atom- und Raketeningenieure rächen und zusätzlich zur atomaren Bedrohung eine neue Terrorfront gegen Israel eröffnen.

Sorgen macht den Israelis dabei, dass weder der Auslandsgeheimdienst Mossad noch der für den Botschafts- und Personenschutz zuständige Inlandgeheimdienst Shabak und auch nicht der militärische Nachrichtendienst „die iranischen Vorbereitungen für die Anschläge in Neu-Delhi, Tbilissi und Bangkok aufgedeckt oder verhindert haben“, schreibt etwa die liberale israelische Zeitung „Haaretz“. Bei den drei versuchten Anschlägen wurden eine israelische Diplomatengattin sowie mehrere unbeteiligte Passanten in Indien verletzt.

Ungeachtet aller Kritik schreitet der Iran mit seinem Atomprogramm voran. In einer vom Staatsfernsehen übertragenen Feierstunde nahm der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Mittwoch drei neue Atomprojekte in Betrieb. Per Videoübertragung schaltete er eine Anlage zur Urananreicherung in Natans frei, wie der Sender Irib berichtete.

In der mitteliranischen Einrichtung soll Uran auf 20 Prozent angereichert werden. Außerdem sollen dort künftig neuartige Zentrifugen dreimal so schnell wie ältere Modelle arbeiten. Erstmals wurden im Iran hergestellte Brennstäbe in einem medizinischen Forschungsreaktor in Teheran installiert, wie es weiter hieß. Gleichzeitig signalisierte Teheran in einem in Brüssel eingetroffenen Schreiben Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Atomstreit. mit dpa

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