Politik : Irans Atomchef tritt zurück

Teheran/Berlin - Der langjährige Chef der iranischen Atombehörde, Gholam Reza Akazadeh, ist zurückgetreten. Das berichtete die iranische Agentur Isna am Donnerstag. Eine Begründung für den Rücktritt wurde nicht genannt. Gholam Reza Akazadeh habe sein Rücktrittsschreiben bereits vor drei Wochen an Präsident Mahmud Ahmadinedschad übergeben.

Akazadeh war nicht nur Leiter der Atombehörde, sondern auch Vizepräsident und gleichzeitig ein enger Vertrauter des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Mussawi. Seine Nähe zu Mussawi und das Datum seines Rücktritts von beiden Posten kurz nach den umstrittenen Wahlen und dem harschen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Proteste lässt die Vermutung zu, dass hier ein Zusammenhang besteht.

Akazadeh war 1978 vom Studium in den USA nach Iran zurückgekehrt, um die Revolution gegen den Schah zu unterstützen. Er wurde Direktor der Zeitung „Jumhuri Elsami“ (Islamische Republik), deren Herausgeber Mussawi war. Als Mussawi 1980 Außenminister wurde, nahm der Akazadeh als seinen Stellvertreter mit. Als Mussawi das Amt des Premierministers übernahm, wurde der Vertraute Staatsminister im Büro des Premiers. 1985 bis 1997 übernahm er das Ölministerium, bevor der Reformpräsident Mohammed Chatami ihn zum Leiter der Atomenergiebehörde ernannte.

Der heute 60-jährige Akazadeh ist zudem Mitglied des mächtigen „Rates zur Wahrung der Interessen Irans“, dem Schiedsgremium bei Konflikten zwischen Parlament und Wächterrat, dem der Strippenzieher Ali Akbar Rafsandschani vorsteht. Der Rücktritt zeugt von dem tiefen Riss, der durch das Establishment geht – Akazadeh wäre jedoch der erste Würdenträger, der aus Protest gegen die Vorgänge sein Amt niederlegt. an/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar