Irans Drohungen : Droht am Persischen Golf eine internationale Krise?

Der Konflikt zwischen dem Westen und dem Iran verschärft sich. Teherans will Langstreckenraketen testen und auf EU-Sanktionen mit einer Blockade für Öltransporte antworten.

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Drohgebärden. Iranisches Marinemanöver in der Straße von Hormus.
Drohgebärden. Iranisches Marinemanöver in der Straße von Hormus.Foto: dpa

Welche Folgen hätte eine Transportblockade für Öl durch den Iran?

Falls es zu einer Blockade dieses wichtigen Schifffahrtswegs für Öltanker käme, hätte das spürbare Folgen für die Energieversorgung der Weltwirtschaft und für den Ölpreis. Bis zu 40 Prozent des Erdöls, das weltweit mit Tankern transportiert wird, passiert diese Meerenge am Südende des Persischen Golfs. Bezogen auf den globalen Ölverbrauch entspricht diese Menge etwa 17 Prozent, da ein wachsender Anteil des Erdöls inzwischen durch Pipelines von den Förderstätten zu den Verbrauchermärkten gelangt. Bereits die Furcht vor einer Verknappung könnte den Ölpreis steigen lassen – und das wäre wiederum eine Gefahr für das Wachstum in vielen Volkswirtschaften, die sich noch immer nicht von der globalen Finanzkrise erholt haben.

Nach Ansicht vieler Experten ist dies auch das eigentliche Ziel des Iran: Nicht den Konflikt auf die Spitze zu treiben und die Straße von Hormus wirklich zu blockieren, sondern den Westen durch die ökonomischen Risiken, die mit der Drohung verbunden sind, unter Druck zu setzen. Außerdem würde der Iran ganz direkt von einem steigenden Ölpreis beim Erlös für seine eigenen Exporte profitieren, und das wäre eine willkommene Hilfe für die Versorgung der Mullahs mit harten Devisen. Sie spüren die Folgen der Sanktionen, die die Vereinten Nationen wegen des Streits um das Atomprogramm verhängt haben.

Was ist die Besonderheit der Straße von Hormus?

Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman fahren im Durchschnitt dreizehn Tanker pro Tag mit insgesamt 15,5 Millionen Barrel Erdöl an Bord. Es ist die Hauptexportroute für Öl aus Kuwait, den Arabischen Emiraten und dem Iran. An der schmalsten Stelle zwischen einer Landzunge des Sultanats Oman und dem Iran ist sie 35 Kilometer breit. Der Schifffahrtskanal für Ozeanriesen ist zehn Kilometer breit und aufgeteilt in eine Einfahrts- und Ausfahrtsroute, um Kollisionen zu vermeiden. Die Arabischen Emirate haben den Bau einer Pipeline nahezu vollendet, die die Straße von Hormus auf dem Landweg umgeht. Sie wird etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag transportieren können.

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