Politik : Irans Justiz droht nicht mehr mit der Todesstrafe

Der im Iran inhaftierte deutsche Geschäftsmann Helmut Hofer wird nach Angaben eines Richters nicht hingerichtet. Möglichweise werde Hofer mit Peitschenhieben bestraft, sagte einer der Richter nach dem Abschluss des Verfahrens am Mittwoch in Teheran. Das Strafmaß werde in den kommenden Tagen verkündet. Die Bundesregierung erklärte, sie hoffe auf eine Freilassung Hofers. Der 58-jährige war im vergangenen Jahr wegen einer angeblichen sexuellen Beziehung zu einer 27-jährigen iranischen Medizinstudentin zum Tode verurteilt worden.

"So Gott will", antwortete der Richter auf die Frage nach einer baldigen Freilassung. Hofers Verteidiger zeigte sich optimistisch. "Ich fühle, dass er freigesprochen wird", sagte der Anwalt vor dem Gerichtsgebäude. Dies könne jederzeit geschehen. Die ersten Nachrichten aus Teheran gäben Anlass zu der Hoffnung, dass das Verfahren jetzt abgeschlossen werde, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Bundesregierung hoffe auf ein Urteil nach Recht und Gerechtigkeit, das Hofer endlich seine Freiheit wiedergebe.

Nach iranischem Recht kann ein Nicht-Moslem wegen einer außerehelichen Beziehung zu einer moslemischen Frau hingerichtet werden. Ein Moslem kann für das gleiche Vergehen zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden. Hofer hatte vor Gericht erklärt, er sei vor einigen Jahren zum Islam übergetreten, als er eine türkische Staatsbürgerin geheiratet habe.

Irans Oberstes Gericht hatte das Urteil im Februar aufgehoben und eine Wiederaufnahme angeordnet. Hofer wurde nach zeitweiliger Haftverschonung wegen angeblicher Fluchtgefahr am 1. August wieder festgenommen und ins Teheraner Evin-Gefängnis gebracht. Seine erneute Inhaftierung erfolgte, nachdem in Deutschland im Juli die Festnahme eines Iraners bekannt gegeben worden war. Dieser soll Dissidenten im Exil bespitzelt haben. Iran hat einen Zusammenhang immer geleugnet.

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