Politik : Irans Präsident droht Dänemark

Gewaltsame Proteste gegen neue Mohammed-Karikaturen angekündigt

Andre Anwar

Stockholm/Kopenhagen - Im neuen Streit um dänische Mohammed-Karikaturen hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Montag mit massiven, weltweiten Protesten und Ausschreitungen gegen das Königreich gedroht. Iran bestellte zudem den dänischen Botschafter ein. Die Muslim-Bruderschaft Ägyptens rief erneut zum Boykott dänischer Waren auf. Auch indonesische Muslimvertreter schlossen Ausschreitungen nicht aus.

Ausgelöst hatte die Proteste ein Karikaturenwettbewerb, der bereits im August in einem Jugendlager der Dänischen Volkspartei (DVP) ausgetragen worden war. Die Karikaturen, die Mohammed unter anderem als urinierendes Kamel zeigen, waren offenbar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ein junger Aktivist der antifaschistischen Organisation „Defending Denmark“ hatte sich jedoch konspirativ unter die Teilnehmer des Jugendlagers gemischt und den Wettbewerb heimlich gefilmt. Am vergangenen Freitag waren seine Aufnahmen im dänischen Fernsehen ausgestrahlt worden. Laut „Defending Denmark“ sollten mit der Ausstrahlung die Volkspartei und ihre Ansichten kritisiert werden, nicht aber der Islam. Die DVP-Vorsitzende Pia Kjærsgaard schob die Schuld dagegen auf die Medien. „Das war doch nur ein lockeres Fest“, sagte Kjærsgaard. Keiner der Teilnehmer habe vorgehabt, die Karikaturen zu veröffentlichen.

Die DVP ist in Dänemark die drittstärkste politische Kraft. Sie toleriert bereits in der zweiten Legislaturperiode die bürgerlich-liberale Minderheitsregierung des dänischen Premierministers Anders Fogh Rasmussen. Ihren Einfluss macht die rechtsgerichtete Partei besonders in der Integrationspolitik geltend. Anders Fogh Rasmussen bezeichnete den Vorfall am Montag als „geschmackloses und nicht akzeptables Verhalten junger Menschen“.

Bereits vor etwa einem Jahr hatte die Veröffentlichung von zwölf Mohammed- Karikaturen in der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“ zu weltweiten Protesten und Ausschreitungen mit rund 50 Todesopfern geführt. Im Unterschied zur damaligen Krise riefen die dänischen Imame diesmal ihre Glaubensbrüder zur Mäßigung auf: Der Fall sei bedauerlich, aber in keiner Weise vergleichbar mit dem Abdruck der Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“.

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