Irina Bokova : Bulgarien stellt neue Unesco-Chefin

Die frühere bulgarische Außenministerin Irina Bokova ist im fünften Wahlgang überraschend zur neuen Generaldirektorin der Unesco gewählt worden.

ParisWie die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am Dienstagabend in Paris mitteilte, setzte sie sich mit 31 zu 27 Stimmen gegen den wegen israelfeindlicher Äußerungen umstrittenen Ägypter Faruk Hosni durch. Bokova und die bulgarische Regierung zeigten sich erfreut.

Bokova zollte ihrem Herausforderer Hosni Respekt und würdigte die Freundschaft, die er ihr entgegengebracht habe. Sie habe der ägyptischen Delegation versichert, dass sie nicht an den "Kampf der Kulturen" glaube, sagte Bokova in Paris. Der stellvertretende bulgarische Außenminister Marin Raikow sagte in Sofia, er sei "sehr glücklich" über die Wahl. Es sei ein "großer Sieg für Bulgarien", dass Bokova eine solch einflussreiche Organisation leiten werde.

Hosni hatte eigentlich als aussichtsreichster Bewerber gegolten. Bei der vierten Abstimmung am Montag hatten die beiden Kandidaten jeweils 29 Stimmen erhalten. Ursprünglich hatten sich neun Kandidaten für die Nachfolge des japanischen Unesco-Generaldirektors Koichiro Matsuura beworben. Nach dem dritten Wahlgang hatte sich am Sonntag die österreichische EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner aus dem Rennen zurückgezogen.

Sollte sie durch die Generalkonferenz im Oktober bestätigt werden, ist die 57 Jahre alte Bokova die erste Frau an der Spitze der Unesco. Zudem wäre es das erste Mal, dass jemand aus den früheren Warschauer-Pakt-Staaten der UN-Kulturorganisation vorsteht. Die Billigung durch die Generalkonferenz gilt als Formsache, sie findet jedoch geheim statt.

Bokova ist derzeit bulgarische Botschafterin in Frankreich, Monaco und bei der Unesco. Zur Zeit des Kommunismus wurde sie in Moskau zur Karrierediplomatin ausgebildet, studierte aber auch an der US-Eliteuniversität Harvard. Bokova ist in Bulgarien Mitglied der derzeit oppositionellen Sozialistischen Partei. Von 1995 bis 1997 war sie als stellvertretende Außenministerin für die EU-Beziehungen zuständig. Von November 1996 bis Februar 1997 war sie kurzzeitig selbst Außenministerin. Die zweifache Mutter spricht auch Englisch, Spanisch, Französisch und Russisch und gilt als überzeugte Europäerin.

Hosni galt als aussichtsreichster Kandidat, war jedoch wegen israelfeindlicher Äußerungen in die Kritik geraten. Der Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel hatte erklärt, Hosnis Wahl wäre eine "Schande" für die internationale Gemeinschaft. Auch Ferrero-Waldner hatte sich offen gegen Hosni ausgesprochen. (AFP)

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