Irland : Dioxin-Fleisch könnte auch in Deutschland gelandet sein

Die irische Regierung nimmt alle im Inselstaat produzierten Schweinefleischerzeugnisse vom Markt. Fleisch, Wurst und Tiefkühlpizzen sind teilweise mit Dioxin verseucht. Ob und wieviel Fleisch auch in deutschen Regalen gelandet ist, ist noch unklar.

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Keine rosarote Zukunft: Irlands Schweinefleischbranche geht offenbar schweren Zeiten entgegen. -Foto: dpa

DublinSchweinefleisch aus Irland muss nach dem Fund von krebserregendem Dioxin in geschlachteten Tieren komplett vom Markt genommen werden. Die Regierung in Dublin forderte die einheimische Nahrungsmittelindustrie am Samstag auf, sämtliche Schweinefleischprodukte zurückzuziehen. Der größte Abnehmer von irischem Schweinefleisch ist Großbritannien, auch Deutschland zählt zu den wichtigen Importländern.

Das Landwirtschaftsministerium in Berlin wies die Lebensmittelindustrie am Sonntag an, irisches Schweinefleisch vorsorglich vom Markt zu nehmen. Ob belastetes Fleisch nach Deutschland gelangte und wie hoch der Anteil war, ist nicht bekannt: "Die Recherchen, ob und in welchem Umfang irisches Schweinefleisch auf dem deutschen Markt ist, laufen", sagte eine Ministeriumssprecherin. Die Behörden der Bundesländer seien über die Situation informiert worden.

Auch Tiefkühlpizzen müssen zerstört werden

Die irische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (FSAI) empfahl Verbrauchern, vorerst kein Schweinefleisch aus irischer Produktion zu essen. Die Kontrolleure hätten bei Laborversuchen Dioxine festgestellt, die offenbar aus einer Futtermischung stammen. Die Grenzwerte seien um das 80 bis 200-fache überschritten worden. Betroffen sind demnach alle seit dem 1. September hergestellten Schweinefleischerzeugnisse.

FSAI-Sprecher Alan O'Reilly sagte, dass neben Würsten und Schinken auch mit Schweinefleisch belegte Tiefkühlpizzen zerstört werden müssten. Das Gesundheitsrisiko für Verbraucher sei bei den festgestellten Dioxin-Werten allerdings immer noch "äußerst gering". Der irische Staatsminister für Ernährung, Trevor Sargent, betonte, dass Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die vorrangigen Ziele der Regierung seien.

Schwerer Schlag für irische Landwirtschaft

Die EU-Kommission bestätigte eine Dioxin-Belastung in irischen Produkten. Ursache sei verseuchtes Tierfutter gewesen. Nach Angaben der irischen Behörden tauchte belastetes Fleisch bereits in den Niederlanden, Frankreich und Belgien auf. Hinweise auf das dioxinähnliche Substanzgemisch PCB (Polychlorierte Biphenyle) waren in Tierfutter entdeckt worden, das an 47 Bauernhöfe in Irland geliefert wurde. Auch neun Farmen in der britischen Region Nordirland wurden beliefert. Die Aufnahme von größeren Mengen PCB führt zu akuten Beschwerden der Haut, verursacht Leber-, Milz- und Nierenschäden und schwächt das Immunsystem. Die Substanz ist in mehreren Ländern, so auch in Irland, seit langem verboten.

Für die irischen Schweinfleischhersteller bedeutet die Rückrufaktion einen schweren Schlag zu einer Zeit, wo sich die Wirtschaft des Landes ohnehin schon in einer Rezession befindet. Der Vorsitzende des irischen Bauernverbandes, Padraig Walshe, sprach von einem "absoluten Desaster" für die Branche, in der rund 5000 Menschen arbeiten. "Das Weihnachtsgeschäft ist die wichtigste Zeit des Jahres", sagte er dem öffentlich-rechtlichen Sender RTE. Dennoch rechnete er damit, dass die irischen Schweineprodukte bereits im Verlauf der kommenden Woche wieder angeboten werden könnten. (jar/sf/AFP/dpa)

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