Politik : Irland

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Adrian Langan,


Generation 25

Europa ist das effektivste Mittel, um die Herausforderungen, denen wir alle gegenüber stehen, zu bewältigen: soziale, wirtschaftliche, aber vor allem ökologische Herausforderungen.

Der Autor, Jahrgang 1977, ist Direktor der EU-Kampagne Der Irish Alliance for Europe.

 

Mary Fitzgerald,
Generation 50

Als Irland Mitglied der Europäischen Gemeinschaft wurde, 1973, war ich 14 Jahre alt. Unsere grüne Insel galt als nettes Ferienziel – für Leute, die abseits des italienischen oder spanischen Touristenrummels in Ruhe Lachs fischen oder versonnen in den Nieselregen blicken wollten. Sonst hatten wir nicht viel zu bieten. Wir waren arm, bettelarm. Wenn man sich als junger Mensch fragte, wo man eine goldene Zukunft finden würde, gingen die Gedanken über’s Meer, nach Amerika, Kanada, Australien. Schließlich hatten auch unsere Vorfahren ihr Glück meistens in der Emigration gesucht. Heute ist das anders. Die Regierung hat die vielen Subventionsmillionen, die aus Brüssel kamen, seit mehr als 20 Jahren in die Industrie gesteckt. Wir sind reich geworden, relativ reich. Wir sind heute ein Einwanderungsland. Bei vielen jungen Leuten gilt Dublin, meine Heimat, als attraktive europäische Stadt. Unser Leben ist ganz anders geworden. Meine Kinder haben gute Jobs gefunden. Auswandern ist für sie kein Thema. Dafür bin ich Europa dankbar.

Die Autorin, Jahrgang 1959, ist verheiratet, hat 2 erwachsene Kinder und arbeitet als Buchhalterin. Übersetzt aus dem Englischen von Bernd Neumann.

 

Nick O’Driscoll,
Generation 50

Nein, das hätte ich nie gedacht – dass ich das noch erleben würde… Vor einigen Wochen haben Ian Paisley als eine Art regionaler Ministerpräsident und Martin McGuinness als sein Stellvertreter die Regierungsgeschäfte in Ulster, im so lange blutig umkämpften Nordirland, übernommen. Der Pastor Paisley ist für Iren meines Alters das rote Tuch schlechthin. Wahrscheinlich der starrköpfigste Mann, der je auf unserer schönen grünen Insel geboren worden ist. Ein Hassprediger gegen alles, was irisch und katholisch ist.

Und nun sitzt er mit Martin McGuinness an einem Kabinettstisch. Martin McGuinness war früher Terrorist, Armeechef bei der IRA, die Leuten wie Paisley Jahrzehnte lang mit blutigen Attentaten klar zu machen versucht hat, dass Protestanten und Briten von unserer Insel zu verschwinden hätten, dass Ulster Teil der Republik Irland werden müsste. Und nun regieren diese Beiden gemeinsam… Das ist, als wäre Honecker Vizekanzler unter Kohl geworden. Wahrscheinlich noch unglaublicher. Für uns Iren jedenfalls…

Und was hat das mit Europa zu tun? Eine Menge, glaube ich. Seit die Republik Irland wie das Vereinigte Königreich Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft geworden sind, einer Gemeinschaft, in der Erz-Feinde zu Freunden geworden sind, gelten auch hier einfach andere Gesetze. Die Europäische Union hat das kleine Irland und das früher so große, übermächtige England zu gleichberechtigten Partnern gemacht. Und gleichberechtigte Partner in einer so zivilisierten Gemeinschaft hauen sich nicht wegen einer Lappalie wie Nordirland die Köpfe ein, denke ich. Ihre wirren Stellvertreter – Leute wie Paisley und McGuinness – sind in einer solchen, europäisch-zivilisierten Welt als lebenslange Krieger schlicht ein Anachronismus. Und deshalb müssen sie sich jetzt vertragen und jeden Tag gemeinsam regieren. Geschieht ihnen recht…

Der Autor, Jahrgang 1930, war Hotelier, ist im Ruhestand und lebt in der Nähe von Cork. Übersetzt aus dem Englischen von Bernd Neumann.

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