IS Terror im Irak : Barack Obama und der unerklärte Krieg

Eigentlich wollte der US-Präsident derjenige sein, der den Krieg im Irak beendet. Nun lässt er Angriffe gegen die Terror-Miliz IS im Norden des Landes fliegen. Barack Obama geht damit ein hohes Risiko ein

Jack Nicas
Barack Obama Foto: dpa
Barack ObamaFoto: dpa

Im Juli 2008 schrieb der damalige US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama einen Meinungsartikel in der "New York Times". In diesem kritisierte er den Irak-Krieg. Er schrieb: „An meinem ersten Tag im Amt würde ich dem Militär eine neue Mission geben: diesen Krieg zu beenden“. Sechs Jahre später, nach dem eigentlichen Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak, greift Obama das Land mit Luftschlägen gegen eine Terrorgruppe erneut an. Das macht ihn zum vierten US-Präsident in Folge, der Militäraktionen im Irak anordnet.

Obama konnte die USA nicht vom Mittleren Osten abkoppeln

Obama wollte es eigentlich unbedingt vermeiden, Teil dieser Statistik zu werden. Er hat, nach allem was man hört, sehr gezögert, die USA erneut in die Geschehnisse im Irak zu verwickeln, das Land das die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahrzehnt tausende Leben und mehr als eine Billion US-Dollar gekostet hat. Aber egal, wie sehr Obama versucht hat, die USA vom Mittleren Osten abzukoppeln, die Unruhen in der Region waren zu gewaltig, um sie zu ignorieren. Je nachdem wie lange die jetzige Intervention im Irak dauern wird und wie intensiv sie ausfällt, könnte Obama weniger als der Präsident in Erinnerung bleiben, der den Krieg beendet hat, als vielmehr ein Präsident wie George W. Bush, der vor allem Terroristen in Übersee bekämpft hat.

Meinungsumfragen von vor dem Beginn der Luftangriffe zeigen, dass die Öffentlichkeit in den USA wenig Interesse an einer Offensive im Mittleren Osten hat. Trotzdem, das gilt zumindest für Washington D.C., gehört diese Entscheidung zu einer der populärsten seiner Präsidentschaft. Die meisten Beobachter im Kongress, den Medien und der Wissenschaft unterstützen die aktuelle Irak-Politik öffentlich.

Einige Demokraten würden eine Bodenoffensive im Irak befürworten

Die Demokraten im Kongress sind traditionell skeptisch gegenüber Aktionen des US-Militärs im Mittleren Osten, aber sie haben generell zugestimmt, dass die USA den Vormarsch der Terrorgruppe IS stoppen müssen. Republikaner, die normalerweise immer schnell bereit sind, sich Obamas Vorstößen in den Weg zu stellen, loben den Präsidenten für die Luftschläge.

Mancher US-Politiker verlangt bereits weitergehende Aktionen. Republikaner und sogar einige Demokraten im US-Kongress wollen die kurdischen Kämpfer im Irak, die sich gegen die IS stellen, besser bewaffnen und auch der Freien Syrischen Armee mehr Waffen liefern. Die einen drängen auf Luftangriffe gegen IS in Syrien, die anderen würden sogar eine neue Bodenoffensive der US-Truppen im Irak befürworten.

Obama hat zugesagt, dass die USA kurdische Kräfte unterstützen und bewaffnen wollen, aber er hat auch seinen Widerstand gegen Bodentruppen im Irak erklärt. „Ich habe von Anfang an klar gemacht, dass wir nicht erneut tausende US-Truppen entsenden“, sagte er in dieser Woche.

"Es geht um die gesamte Zukunft der Region"

Doch so oder so wirkt es, als erweitere Obama den Umfang der Offensive. Er hat die Luftschläge ursprünglich mit dem Schutz von Amerikanern im Irak und der Verhinderung von Massenmorden an religiösen Minderheiten gerechtfertigt. Am Montag sagte er dann aber, die Irak-Operation sei eine Sache der „Nationalen Sicherheit“, denn die USA hätten großes Interesse daran, den Vormarsch einer Gruppe wie IS einzudämmen, da sie sonst „eine Gefahr für uns werden könnten“. Auch die Zahl der Luftschläge nimmt zu.

Einige Beobachter glauben, die US-Aktionen werden zunehmen. "Unsere Aufgabe im Irak und in der Region geht weit über den Schutz von religiösen Minderheiten hinaus. Es geht um die gesamte Zukunft der Region", sagt Marc Landy, Politikprofessor am Boston College und Präsidentschafts-Experte. Landy vermutet, dass diese Offensive einer der wichtigen Pfeiler von Obamas Vermächtnis wird. Ein Erfolg werde ihn zu dem Präsidenten machen, der das Irak-Problem endlich gelöst habe. "Aber die größere Gefahr ist, dass es nicht erfolgreich wird und er derjenige wird, der im Irak den Stecker gezogen hat, nachdem wir so viel in die Rettung des Landes gesteckt haben“, sagt Landy. "Obama riskiert viel mit dieser Aktion."

10 Kommentare

Neuester Kommentar