Isaf-Einsatz : Frankreich nimmt Abschied von den Afghanistan-Gefallenen

Frankreich trauert um die zehn gefallenen französischen Soldaten. Präsident Sarkozy verteidigte den Einsatz und wies Vorwürfe von sich, die zehn seien von Nato-Flugzeugen getötet worden. Unterdessen kamen in Afghanistan erneut Soldaten der Schutztruppe ums Leben.

ParisMit einer Trauerfeier im Pariser Invalidendom hat Frankreich am Donnerstag seinen zehn in Afghanistan gefallenen Soldaten die letzte Ehre erwiesen. Präsident Nicolas Sarkozy verlieh den Gefallenen posthum das Ritterkreuz der Ehrenlegion. "Soldaten, Ihr habt Eure Aufgabe ehrenvoll erfüllt, und Ihr habt Euer Leben dafür gegeben. Das ist beispielhaft für Frankreich und für die Armee", sagte er anlässlich einer Trauerfeier im Pariser Invalidendom. "Sein Leben ehrenvoll zu geben, heißt, sein Leben zu erfüllen."

Der Militäreinsatz gehe weiter, sagte Sarkozy. "Wir haben nicht das Recht, dort zu verlieren. Wir haben nicht das Recht, die Barbaren triumphieren zu lassen, denn die Niederlage am anderen Ende der Welt wird mit einer Niederlage auf dem Gebiet der Französischen Republik bezahlt werden." Nach der Zeremonie sprach Sarkozy kurz mit den Hinterbliebenen.

Französische Soldaten fühlten sich von afghanischen Partnern verraten

Die Soldaten waren am Montag bei Kabul im Gefecht mit radikal-islamischen Taliban-Rebellen getötet worden. Sie wurden am Mittwochabend in ihre Heimat zurückgebracht. Überlebenden zufolge gerieten die Franzosen auch unter Feuer der alliierten Luftwaffe und blieben wegen Mängeln in der Organisation stundenlang feindlichem Beschuss ausgesetzt. Vereidigungsminister Hervé Morin erklärte dazu, es gebe keinen Hinweis darauf, dass Franzosen durch Nato-Flugzeuge getötet worden seien. Sarkozy lehnte eine Stellungnahme dazu ab. "Jetzt ist die Zeit der Sammlung."

Die Sonderkorrespondentin Florence Aubenas des Nachrichtenmagazins "Le Nouvel Observateur" berichtete aus Afghanistan, die französischen Soldaten fühlten sich bei dem Hinterhalt der Taliban von ihren afghanischen Partnern verraten. "Die Soldaten glaubten sich in einem sicheren Umfeld, und das war in Wirklichkeit nicht der Fall. Sie sind alle in dieser Frage sehr verbittert", sagte die Reporterin laut der Website novelobs.com. "Zahlreiche französische Soldaten haben mir gesagt, dass (...) sie von den Afghanen verraten wurden, mit denen sie zusammenarbeiteten." Aubenas war 2005 als Reporterin der Zeitung "Libération" im Irak verschleppt und mehrere Monate lang als Geisel festgehalten worden.

Der Generalstab sicherte zu, "alle Lehren" aus dem Vorfall zu ziehen. Den Vorwurf, die erst vor wenigen Wochen nach Afghanistan geschickten Soldaten seien nicht genug auf den Krieg vorbereitet gewesen, wiesen die Streitkräfte zurück. "Ein 18-jähriger Junge, der zwei Jahre lang unter Druck gesetzt und ausgebildet wurde, ist ein guter Krieger, selbst wenn er keine Feuertaufe hatte", sagte General François Cann der "Libération". Paris hatte in diesem Sommer sein Afghanistankontingent um 700 auf rund 3000 Mann aufgestockt.

Drei polnische Soldaten getötet

Unterdessen sind in Afghanistan weitere Nato-Soldaten ums Leben gekommen. Zwei Tage nach dem schweren Anschlag auf die Franzosen starben drei polnische Soldaten. Sie fuhren am Mittwoch in der zentralen Provinz Ghasni mit ihrem Auto über einen versteckten Sprengsatz, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP am Donnerstag unter Berufung auf Armeeoffiziere. Ein weiterer Soldat sei bei der Explosion schwer verletzt worden. Polen ist an der Isaf mit 1200 Soldaten beteiligt, in den kommenden Monaten soll deren Zahl um weitere 400 erhöht werden. Auch drei kanadische Soldaten sowie einer unbekannter Herkunft kamen ums Leben.

In Frankreich löste der Tod der Soldaten eine heftige Debatte über den Sinn des Militäreinsatzes ausgelöst. Sarkozy akzeptierte am Donnerstag die Forderung der Opposition nach einer Parlamentsdebatte. Die Regierung werde am 22. September dazu eine Erklärung abgeben. Dem werde eine Debatte in der Nationalversammlung folgen, erklärte ein Regierungssprecher. Von einer Abstimmung war nicht die Rede.

Die Sozialisten (PS) werfen Sarkozy vor, sich der US-Politik anzupassen und eine rein militärische Strategie zu verfolgen, die in die Sackgasse führe. "Mann muss die Nato-Strategie umfassend auf politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet überarbeiten, und zwar mit den drei Kernbegriffen Afghanisierung, Versöhnung und Wiederaufbau", sagte PS-Sprecher Pierre Moscovici. Die Regierungspartei UMP erklärte, man müsse die Wurzeln des Terrorismus in Afghanistan bekämpfen und gleichzeitig starkes Gewicht auf "die zivile Dimension der Bemühungen" legen. Sarkozy verteidigte den Einsatz in Afghanistan als "Kampf gegen Barbarei, Obskurantismus und Terrorismus". Als Frankreich eingegriffen habe, sei Afghanistan "in den Händen eines mittelalterlichen Regimes gewesen, das dem internationalen Terrorismus Asyl gegeben und die Bevölkerung unterdrückt" habe. (nis/dpa/AFP)

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