Isaf-Einsatz : Nato kritisiert Bundeswehr offenbar doch

Medien zufolge hat der deutsche Oberst Klein doch einen Fehler begangen, als er die umstrittenen Luftangriffe bei Kundus veranlasste. Das besage der geheime Nato-Bericht.

Die Deutschen hätten bei dem Einsatz ihre Forderung nach Luftunterstützung mit Feindberührung begründet, obwohl sich keine Soldaten der Nato-Truppe Isaf in der Nähe der Tanklaster aufhielten. Das berichtete Der Spiegel vorab unter Berufung auf den geheimen Untersuchungsbericht der Nato.

Der deutsche Kommandeur des Feldlagers Kundus, Oberst Georg Klein, hätte die Kampfflugzeuge vor Ort als niedrige Eskalationsstufe zunächst im Tiefflug über die Tanklaster fliegen lassen sollen. Das habe er jedoch abgelehnt. Zudem sei es wegen der unübersichtlichen Lage möglicherweise nicht ausreichend gewesen, sich auf eine einzige menschliche Quelle und die Live-Bilder der Luftunterstützung zu verlassen, berichtete das Magazin weiter.

Vor wenigen Tagen hatte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan noch erklärt, die Bundeswehr-Führung in Kundus werde durch den Bericht entlastet.

Oberst Klein war in die Kritik geraten, nachdem er den Luftangriff auf die beiden von den radikal-islamischen Taliban entführten Tanklaster angeordnet hatte. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften. Im Ausland löste das Bombardement Empörung aus, da Deutschland die Nato-Partner häufig für Luftangriffe mit zivilen Opfern kritisiert hatte. Auch im Inland wurde über die Berechtigung des Bombardements diskutiert.

Der Nato-Bericht schildere allerdings auch auf mehreren Seiten die militärisch angespannte Lage in Kundus vor dem Luftangriff, schreibt Der Spiegel. "Der Bericht liefert Argumente für die Verurteilung von Oberst Klein genauso wie zu seiner Entschuldigung", zitiert das Magazin einen Kenner des Reports. Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal lehnte dem Magazinbericht zufolge eine Stellungnahme ab. "Der Bericht liegt nun bei den Deutschen, die selbst entscheiden müssen, welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen", sagte einer seiner Sprecher.

Die Bundesregierung habe die Nato jedoch zuvor gedrängt, sich in dem Untersuchungsbericht mit einer Beurteilung zurückzuhalten. Am 15. Oktober hätten Vertreter der Bundesregierung dem Nato-Oberbefehlshaber in Europa, Admiral James Stavridis, bei seinem Besuch in Berlin zu verstehen gegeben, dass eine deutliche Verurteilung Kleins durch die Nato in Deutschland zu juristischen Problemen führen könnte, berichtet Der Spiegel weiter.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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