Politik : Isländisch verstehen

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Norrænir ráðherrar almannatrygginga undirrituðu …“ Was das heißt? Keine Ahnung, es ist aber jedenfalls isländisch, denn es stammt vom Finanzministerium aus Reykjavik. Das Isländische scheint eine schöne Sprache zu sein. Doch, es gibt schöne Sprachen und nicht so schöne. Ein sprachgewandter Ex-Kollege, gebürtig in Oslo, pflegte das dadurch zu demonstrieren, dass er den jeweils übelsten denkbaren Fluch auf Schwedisch und danach auf Finnisch zu Gehör brachte. Die Schweden-Variante schmeichelte sich in unsere Ohren wie eine höfliche Entschuldigung dafür, dass der Wohlfahrtsstaat leider an der Ausgabe von Taxigutscheinen an Jedermann derzeit noch arbeite. Vor dem Finnen-Fluch sind wir schreckensbleich zurückgeschreckt. Denn er fing an mit Satanasssarriirgendwie, enthielt entsetzlich viele Konsonanten und rief ohrenscheinlich ein paar sehr, sehr böse Geister auf unser Haupt herab. Wie es im Finnischen klingt? Keine Ahnung. Renate Künast aber auch nicht. Das ist womöglich schlecht für 38 Zwergwale. Die Ministerin hat uns eine Pressemitteilung des Inhalts geschickt, dass sie an Island appelliere, die Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Walfangs zu überdenken. Sie hat sie uns erst in Deutsch geschickt. Und dann noch mal, in Englisch. Für eventuelle isländische Kollegen? Aber dann doch besser in Landessprache. Sonst harpunieren die Isländer erst alle 38 hrefnur und sagen hinterher, sie hätten ja gar nicht gewusst, dass Renate Künast dagegen war!

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