Islam-Rede : Papst bedauert Missverständnis

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Empörungswelle über die Islam-Äußerungen hat Papst Benedikt XVI. sich bestürzt gezeigt.

Castel Gandolfo/Ankara - Nach tagelanger Empörung in der moslemischen Welt hat Papst Benedikt XVI. erstmals persönlich Bedauern über seine missverständlichen Äußerungen bekundet. Er "bedauere lebhaft" die Reaktionen auf einen kurzen Passus seiner Rede, die gläubige Moslems als Beleidigung aufgefasst hätten, sagte er in einer Ansprache vor dem Angelus-Gebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Das umstrittene Zitat spiegele in keiner Weise seine persönliche Anschauung wieder.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Protestwelle betonte der Papst seine Hoffnung, dass die Erklärung seines Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone vom Vortag dazu beitragen könne, die Gemüter zu beruhigen und den wahren Sinn seiner Rede zu verdeutlichen. Der Vortrag sei eine Einladung zum offenen Dialog im gegenseitigen Respekt gewesen. Bertone unterstrich die Hochachtung des Papstes für gläubige Moslems und seinen Willen zum Dialog zwischen den Religionen. Der Papst habe sich das Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Paläologos, wonach der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" in die Welt gebracht habe, nicht zu eigen machen wollen. Vielmehr habe er davon einen Appel zur Gewaltfreiheit der Religionen abgeleitet.

Gemäßigte Muslime zufrieden

Zahlreiche moslemische Organisationen zeigten sich mit der Erklärung des Papstes vom Samstag zufrieden. In der Türkei begrüßte der Chef des staatlichen Religionsamtes, Ali Bardakoglu, das Bedauern des Papstes als Zeichen seines Friedenswillens, wie er "Spiegel-Online" sagte. Als einflussreichste britische Moslemvereinigung erklärte der Rat der Muslime (MCB), der Papst habe einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan und anerkannt, welchen Schaden er angerichtet habe. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüßte die Klarstellung und rief Moslems in aller Welt auf, zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Beleidigungen und Androhungen von Gewalt gegen Papst Benedikt XVI. seien aufs Schärfste zu verurteilen.

Extremisten drohen mit Anschlägen

Eine bewaffnete irakische Gruppe drohte vor der Erklärung des Vatikans mit Anschlägen in Rom und gegen den Vatikan. "Wir schwören, dass wir ihr Kreuz im Herzen von Rom zerstören werden (... ) und dass ihr Vatikan getroffen wird", warnte die Gruppe mit Namen Dschaisch el Mudschahedin in einer Erklärung im Internet. Daraufhin ordnete Italiens Innenminister Giuliano Amato erhöhte Alarmbereitschaft der Polizei im Lande an.

Türkei hät an Papst-Besuch fest

Die Türkei sieht nach den Worten ihres Außenministers Abdullah Gül keinen Grund, den geplanten Papst-Besuch abzusagen. "Auf unserer Seite kann derzeit von Änderungen keine Rede sein", sagte Gül am Sonntag in Ankara. Zugleich bekräftigte er aber die türkische Kritik an den Äußerungen des Papstes zum Propheten Mohammed und zum Islam. Die Bemerkungen seien unglücklich gewesen, sagte Gül.

Mehrere deutsche Spitzenpolitiker nahmen Papst Benedikt XVI. gegen die Vorwürfe in Schutz. Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich unter anderem Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hinter das Kirchenoberhaupt. "Es muss noch möglich sein, dass man einen jahrhundertealten Text zitiert, wenn man sich doch erkennbar nicht damit identifiziert", sagte Schäuble dem "Spiegel". (tso/AFP)

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