Islam : Umstrittener Großmufti bekennt sich zum Grundgesetz

Er hatte die Einführung und Befolgung der Scharia in Europa propagiert, nun tritt er für deutsche Verfassung und Gesetze ein, dem sich auch das islamische Recht zu unterwerfen habe.

Großmufti Mustafa Ceric
Großmufti Mustafa Ceric zu Gast beim Papst. -Foto: dpa

KölnDer Großmufti von Bosnien-Herzegowina, Mustafa Ceric, hat sich ausdrücklich zum Grundgesetz und zu den deutschen Gesetzen bekannt. Vorher hieß es, er habe mehrfach für die Einführung des islamischen Rechts, der Scharia, im Westen und für die "Islamisierung" Europas plädiert. Ceric habe, so die von der Europäischen Volkspartei (EVP) herausgegebene Zeitschrift "European View", im Mai in einer CDU-nahen Publikation betont, der Islam in Europa beruhe auf den Grundpfeilern Glaube, Scharia und Imamat (geistliche Führung). Die Verpflichtung auf die Scharia sei "immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet". Zwar soll er sich danach von diesen Aussagen distanziert haben. In bosnischen Medien habe er aber zur "Islamisierung und Institutionalisierung des Islam in Europa" aufgerufen.

In einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitausgabe) betonte der islamische Theologe nun, die deutsche Verfassung und die nationalen Gesetze seien "unverletzlich" und dürften nicht von islamischem Recht "tangiert" werden. Sie hätten "absolute und einzige Gültigkeit." Ihnen habe sich islamisches Recht zu unterwerfen. In dieser Frage dürfe und könne es keinen Kompromiss geben.

Letzter Preisträger war Kardinal Karl Lehmann

Zu den Irritationen um Cerics Äußerungen in dem Blatt war es im Vorfeld der Verleihung des renommierten Eugen-Biser-Preises an diesem Samstag in München gekommen. Ceric wird gemeinsam mit dem jordanischen Prinzen Ghazi bin Muhammad bin Talal und Scheich Al-Habib Ali Zain Al-Zifri aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geehrt. Die drei islamischen Geistlichen werden als Initiatoren eines Antwortbriefes von 138 herausragenden muslimischen Gelehrten auf die islamkritische Regensburger Rede Papst Benedikt XVI. ausgezeichnet.

Der Historiker Michael Wolffsohn, jüdisches Mitglied im Stiftungsrat der Biser-Stiftung, hatte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gesagt, sollten die Vorwürfe zutreffen, halte er Ceric für ungeeignet. Entscheidend sei, dass es sich bei den Geehrten "um Brückenbauer und nicht um irgendwelche Fundis" handele. Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Heiner Köster, sprach von der Möglichkeit, dass die Jury vor der anstehenden Preisverleihung getäuscht worden sei.

Der 2002 gestiftete Eugen-Biser-Preis wurde bisher zweimal verliehen, zuletzt an Kardinal Karl Lehmann. (mpr/ddp)

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