Islam und Westen : Vorschläge zur "Allianz der Zivilisationen"

Eine internationale Arbeitsgruppe hat UN-Generalsekretär Kofi Annan Vorschläge für eine "Allianz der Zivilisationen" vorgelegt, mit der die Kluft zwischen dem Westen und der islamischen Welt überwunden werden soll.

Istanbul - Als Schlüssel zur Lösung der Probleme nennt der Bericht eine Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Dieser sei das "Schlüsselsymbol für die Kluft zwischen den westlichen und muslimischen Gesellschaften geworden". Die internationale Gemeinschaft solle "mit einer neuen Dringlichkeit" eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts suchen", empfiehlt die 20-köpfige Expertengruppe. Sie schlägt eine baldige Konferenz mit allen beteiligten Parteien zu dem Thema vor.

Der Bericht kritisiert unter anderem die westlichen Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak, die ein "wachsendes Klima von Angst und Hass" hervorriefen, und die "engen und verzerrten Interpretationen der islamischen Lehre", die zu einem falschen Verständnis des Islam führten. Die Experten schlagen auf lange Sicht angelegte Maßnahmen zur besseren Verständigung zwischen den Religionen vor, darunter die Überarbeitung von Unterrichtsmaterial und eine Verstärkung des Jugendaustauschs.

Angst und Misstrauen

Annan sagte in Istanbul, der arabisch-israelische Konflikt sei mehr als ein regionaler Konflikt unter vielen anderen. "Solange die Palästinenser unter der Besatzung leben und täglich mit Frustration und Erniedrigung konfrontiert werden, und solange Israelis in Bussen und Diskotheken in die Luft gesprengt werden, so lange wird die Flamme der Leidenschaft weiterbrennen", sagte der UN-Generalsekretär. Der Bericht enthalte "wichtige Lehren", die jedoch keine Auswirkungen hätten, wenn das derzeitige Klima von Angst und Misstrauen bestehen bleibe.

Neben Annan wurde der Bericht auch dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und seinem spanischen Kollegen José Luis Rodriguez Zapatero vorgelegt, die die Allianz maßgeblich unterstützen. Zapatero hatte bei einer Rede vor den Vereinten Nationen nach den Bombenanschlägen in Madrid im März 2004 die Idee der Allianz vorgebracht. Die Expertengruppe wird geleitet vom früheren Unesco-Direktor und heutigen Präsidenten der Culture of Peace Foundation, dem Spanier Federico Mayor, und vom türkischen Staatsminister für religiöse Angelegenheiten, dem Theologieprofessor Mehmet Aydin. Die Gruppe soll voraussichtlich Ende Dezember endgültige Vorschläge in New York vorlegen. (tso/AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben