Islamfeindliche Proteste : Zentralrat der Juden nimmt Muslime vor "Pegida" in Schutz

"Die Bewegung ist brandgefährlich": Der Zentralrat der Juden warnt in scharfen Tönen vor den "Pegida"-Protesten. Von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kommen derweil andere Töne.

Teilnehmer einer "Pegida"-Kundgebung in Dresden
Teilnehmer einer "Pegida"-Kundgebung in DresdenFoto: dpa

Vor dem Hintergrund der "Pegida"-Proteste hat der Zentralrat der Juden die Muslime in Deutschland in Schutz genommen. Der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster sagte der Zeitung "Die Welt" vom Samstag, die Angst vor islamistischem Terror werde "instrumentalisiert", um eine ganze Religion zu verunglimpfen. Das sei "absolut inakzeptabel".

In den vergangenen Wochen waren regelmäßig tausende Menschen in Dresden einem Aufruf der islamfeindlichen Bewegung "Pegida" gefolgt. Sie protestieren gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes und fordern eine schärfere Asylpolitik. "Pegida" hat mittlerweile Ableger in mehreren Städten.
Schuster sagte, der islamistische Extremismus müsse ebenso ernst genommen werden wie andere extremistische Strömungen. Die Sicherheitsbehörden seien aber "längst alarmiert". Von wenigen Islamisten darauf zu schließen, in Deutschland drohe der Islam als Staatsreligion, sei "so absurd", wie aus der Existenz von Rechtsextremisten zu schlussfolgern, morgen werde "die NS-Diktatur wieder errichtet".

Pegida-Kundgebung in Dresden
10.000 Menschen folgten am Montag dem Aufruf von Pegida.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: Reuters
09.12.2014 10:2610.000 Menschen folgten am Montag dem Aufruf von Pegida.

Schuster kritisierte die "Pegida"-Proteste vor diesem Hintergrund scharf. Die Demonstranten dürften "auf keinen Fall" unterschätzt werden. "Die Bewegung ist brandgefährlich. Hier mischen sich Neonazis, Parteien vom ganz rechten Rand und Bürger, die meinen, ihren Rassismus und Ausländerhass endlich frei ausleben zu dürfen", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden.

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, kritisierte "Pegida" ebenfalls deutlich. Die Bewegung sei "komplett kontraproduktiv" für das Ziel, den Islam in Deutschland besser zu integrieren, sagte Huber im Deutschlandradio Kultur. Er wünsche sich, dass bei der Diskussion über den Islam differenziert werde und nicht "eine ganze, große Menschengruppe" aus dem demokratischen Konsens und dem Konsens zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen ausgegrenzt werde. An solch einer Ausgrenzung sollten Christen sich keinesfalls beteiligen.

Horst Seehofer über "Pegida": "Das sind weiß Gott nicht alles Nazis"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) warnte hingegen im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag davor, die Demonstranten über einen Kamm zu scheren. "Das sind weiß Gott nicht alles Nazis", sagte er. Zwar könnten die Pegida-Rädelsführer "dem rechtsradikalen Spektrum" zugeordnet werden. Wenn jedoch tausende Menschen auf die Straße gingen, müsse man sich um "das, was diese Menschen an Ängsten im Herzen tragen, kümmern".

Nötig seien daher eine "gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die europäischen Länder", mehr Personal in den zuständigen Bundesbehörden sowie ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen, sagte Seehofer. Bayern werde das "mit allem Nachdruck" angehen, "sonst nimmt der Unmut in der Bevölkerung zu". (AFP)

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