Politik : Islamische Gelehrte wollen Selbstmordattentate ächten

Hans Monath

Berlin - Mithilfe religiöser Autoritäten des Islam will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Selbstmordattentäter in Afghanistan isolieren. „Jedes Selbstmordattentat ist ein Verbrechen gegen den Islam“, sagte der KAS-Leiter in Kabul, Babak Khalatbari. Das Länderbüro der Stiftung hat führende Imame aus Afghanistan und Pakistan sowie islamische Theologen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland zu einer sechstägigen Veranstaltung nach Kabul eingeladen, die am Montag beginnt.

„Unser Ziel ist es, dass die Imame eine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, erarbeiten, wonach Selbstmordattentate gegen die Vorschriften des Islam verstoßen“, sagte Khalatbari dem Tagesspiegel. Diese Botschaft würden Imame auch in der Freitagspredigt in den zentralen Moscheen von Kabul und Herat verkünden.

Die rasant zunehmende Zahl von Selbstmordattentaten gilt als erhebliche Gefahr für die Stabilisierung Afghanistans. Im vergangen Jahr wurden mehr als 120 Selbstmordanschläge gezählt. Die vor allem aus dem Irak nach Afghanistan hineingetragene Ideologie des Selbstmordattentats stehe im Gegensatz zur afghanischen Widerstandstradition, sagte Khalatbari.

„Wir wollen verhindern, dass Menschen durch eine Gehirnwäsche zu dem Irrglauben gebracht werden, sie könnten sich ins Paradies bomben“, sagte Khalatbari. In der afghanischen Gesellschaft solle die Tagung eine Debatte darüber anstoßen, „dass der kämpferische Suizid kein Teil des Dschihad, des Heiligen Krieges, ist“. Die Botschaft wird durch Werbesendungen unterstützt, in denen Angehörige von Attentatsopfern die Täter anklagen. Die Stiftung hielt Ort und Namen der Teilnehmer zunächst geheim, um sie nicht zum Ziel zu machen.

Dass die Tagung den Milizenchef Gulbuddin Hekmatjar beeindrucken wird, ist allerdings nicht zu erwarten. Er kündigte in einer der Nachrichtenagentur AFP zugestellten Videobotschaft an, den „Krieg“ gegen die Regierung „noch lange“ weiterführen zu wollen. Der Widerstand sei leicht zu finanzieren. Ein Sprengstoffanschlag auf einen Fahrzeugkonvoi koste „nur 100 Dollar“.

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