Politik : Islamischer Protest bei der Messe am See Genezareth

KNA

Unbekannter Prediger warnt vor Allianz zwischen Juden und Christen - Johannes Paul II. spricht zu 100.000 GläubigenKNA

Ein islamischer Prediger hat am Rande des Papstbesuchs in Israel für einen weiteren politisch-religiösen Eklat gesorgt. Während der Papst am See Genezareth den Geist der Bergpredigt beschwor, unterstrich der namentlich nicht bekannte Imam in seiner Jerusalemer Freitagspredigt den Anspruch der Muslime auf ganz Jerusalem. Ferner sagte er, es könne keinen Frieden geben, solange nicht Palästina den Muslimen zurückgegeben werde, und warnte vor einer Allianz zwischen Juden und Christen zu Lasten der Muslime.

Israelische Radioberichte, wonach es sich bei dem Prediger um den Jerusalemer Großmufti Ikrima Sabri gehandelt habe, wurden von einem Sprecher des Geistlichen dementiert. Zuvor hatte Sabri in Presseinterviews erklärt, dass er möglicherweise nicht zu dem geplanten Treffen mit Papst Johannes Paul II. am Sonntag kommen werde. Er forderte, der Papst müsse sich für die Verbrechen der Kreuzfahrer an Muslimen und für die Entweihung der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem entschuldigen.

Am Vortag hatte bereits Scheich Taisir Tamimi aus Hebron bei einem interreligiösen Friedenstreffen mit dem Papst und Oberrabbiner Israel Meir Lau das Treffen an den Rand des Scheiterns gebracht, indem er in einer Kampfrede Jerusalem für die Muslime beanspruchte. Der Scheich verließ das Treffen vorzeitig. Er sagte zum Papst, er müsse zum Gebet. Ein geplantes gemeinsames Baumpflanzen als Friedensgeste der drei Religionsführer kam nicht zu Stande.

Vor Tamimi hatte Israels Oberrabbiner Israel Lau in einer Rede den Frieden als oberste und verbindende Aufgabe der Religionen bezeichnet - über alle unterschiedlichen Wege und Hindernisse hinweg. Der Papstbesuch sei eine Anerkennung des Staates Israel, sagte Lau und bezeichnete Jerusalem als ewige Hauptstadt Israels.

Auf vatikanischer Seite war man offensichtlich irritiert über den Verlauf der Veranstaltung, wollte den Vorfall jedoch nicht dramatisieren. "Man muss anerkennen, dass so ein Treffen überhaupt zu Stande kam", betonte Kurienkardinal Edward Cassidy, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates. Es sei nicht alles perfekt gelaufen, beim nächsten Mal werde man jedoch vieles besser machen. Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls sagte, der Papst habe sich bei all seinen Ansprachen während seiner Heilige-Land-Reise für einen "gerechten Frieden" eingesetzt. Niemand dürfe versuchen, aus den Texten mehr herauszulesen, als darin stehe oder den Papst gar für sich vereinnahmen.

Am See Genezareth, am Ort der Bergpredigt, feierte der Papst am Freitag die Messe mit 100 000 Gläubigen aus aller Welt. Es war der bislang größte christliche Gottesdient in Israel. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wandte sich in seiner Predigt besonders an die Jugendlichen. Er rief sie auf, "mutige Apostel des Gottesreiches" in der Welt zu sein.

Am Nachmittag setzte der Papst seine Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten des Christentums am Ufer des Sees Genezareth fort. Mit Israels Premier Barak kam er zu einem kurzen informellen Gespräch zusammen. Unterdessen forderte ein moslemischer Geistlicher in Nazareth den Papst auf, sich anlässlich seines für Samstag geplanten Besuchs in der Stadt nicht in den Konflikt über den Bau einer Moschee nahe der Verkündigungskirche einzumischen.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar