"Islamischer Staat" : Aussteiger erneut unter Verdacht

Ein verurteilter Aussteiger des IS war vermutlich stärker an Verbrechen beteiligt, als bisher bekannt. Ein Video zeigt ihn, wie er auf ein Opfer zielt.

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Menschen flüchten in einem Lastwagen vor dem "Islamischen Staat".
Menschen flüchten in einem Lastwagen vor dem "Islamischen Staat".Foto: REUTERS

Ein kürzlich verurteilter deutscher Ex-Kämpfer der Terrormiliz IS war möglicherweise stärker in die Verbrechen der Dschihadisten verstrickt als bislang bekannt. In einem jetzt aufgetauchten Video ist zu sehen, wie der Bremer Harry S. während der Exekution von Gefangenen des IS in der syrischen Stadt Palmyra mit einer Pistole auf die Opfer zielt. Ob Harry S. schießt, ist nicht zu erkennen, da sich ein IS-Mann mit seiner Waffe vorschiebt und auf die am Boden liegenden, womöglich schon toten Gefangenen feuert. Bei den Opfern, die Tarnuniformen tragen, scheint es sich um syrische Soldaten zu handeln. Als S. im Video wieder zu sehen ist, steckt er die Pistole zurück ins Holster. An den Film kamen das ZDF und die „Washington Post“ bei gemeinsamen Recherchen heran.

Das Oberlandesgericht Hamburg hatte S. im Juli wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung und Verstößen gegen das Waffengesetz und Kriegswaffengesetz zu lediglich drei Jahren Haft verurteilt.

Er zeigte sich reuig

Der IS-Aussteiger hatte sich reuig gezeigt und Angaben über die Terrormiliz gemacht. Er bestritt aber, selbst geschossen zu haben. Harry S. gab im Prozess nur zu, im Jahr 2015 drei Monate beim IS gewesen und in einer Spezialeinheit ausgebildet worden zu sein sowie an einem Propagandavideo mitgewirkt zu haben. In dem nun bekannt gewordenen Film ist aber auch zu sehen, wie S. mit weiteren Kämpfern den Treueschwur auf den IS-Anführer Abu Bakr al Baghdadi ablegt. Anführer des Trupps ist der Österreicher Mohammed Mahmoud, der in Deutschland mit dem Berliner Denis Cuspert den 2012 verbotenen Verein Millatu Ibrahim geführt hatte.

Die Bundesanwaltschaft prüft nun, ob sich aus dem Video ein neuer Tatverdacht gegen S. ergibt.

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