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Islamischer Staat im Irak : USA: Tausende IS-Krieger getötet

Die USA behaupten, bis zu 6000 Kämpfer des "Islamischen Staats" seien bei Luftschlägen ums Leben gekommen. Experten bezweifeln die Angaben. Noch seien die Dschihadisten nicht entscheidend geschwächt.

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Immer noch umkämpft: die nordsyrische Stadt Kobane.
Immer noch umkämpft: die nordsyrische Stadt Kobane.Foto: Aris Messinis/AFP

Es klingt nach einer richtigen Erfolgsmeldung: Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) haben die USA nach eigenen Angaben bereits etwa 6000 Kämpfer der Dschihadistenorganisation getötet. Diese Zahl nannte der US-Botschafter im Irak, Stuart Jones, in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender Al Arabia. Der Militäreinsatz habe eine "verheerende" Auswirkung auf die Terrormiliz.

Vertreter des US-Verteidigungsministeriums bestätigten die Angaben. Noch-Verteidigungsminister Chuck Hagel wollte die konkrete Zahl indes nicht kommentieren, sprach aber von "tausenden" getöteten Kämpfern. Er warnte jedoch davor, allein anhand der Zählung von Todesopfern den Fortschritt im Kampf gegen den IS zu beurteilen.

Seit Beginn der US-geführten Luftangriffe vor gut fünf Monaten hat der IS lediglich ein Prozent des von ihm gehaltenen Gebietes im Irak verloren, wie Pentagon-Sprecher John Kirby am Freitag vor Journalisten in Washington sagte. Die durch die Luftangriffe unterstützten kurdischen Peschmerga-Kämpfer und die irakischen Regierungstruppen hätten rund 700 Quadratkilometer vom IS zurückerobert. Die Extremistengruppe kontrolliere aber noch immer ein etwa 55.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Irak. Auch wenn nur wenig zurückerobert worden sei, handele es sich doch "um für den IS wichtige Orte", sagte Kirby.

Keine Bestätigung von unabhängiger Seite

Fachleute beurteilen die jüngsten Nachrichten denn auch zurückhaltend. Die Zahl von 6000 toten IS-Kriegern wäre zwar eine "echte Hausnummer", sagte der Berliner Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm, allerdings gebe es dafür bislang keine Bestätigung von unabhängiger Stelle. Zudem wisse man wenig Genaues über die Truppenstärke der Dschihadisten insgesamt. Die Schätzungen schwankten zwischen 20 000 und 50 000 Mann. Er könne jedenfalls nicht erkennen, dass der "Islamische Staat" nachhaltig geschwächt sei, geschweige denn einknicke, sagte Thamm dem Tagesspiegel. Auch von Problemen bei der Rekrutierung neuer Krieger könne seinen Erkenntnissen nach keine Rede sein. Vor allem in Afghanistan und Pakistan werbe die Miliz erfolgreich für sich. "Der Teufel ist noch längst nicht ausgetrieben."

"Es braucht Bodentruppen und viel Zeit"

Auch Guido Steinberg, Terrorismusfachmann bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält die Zahl von 6000 toten IS-Kämpfern für sehr hoch. Überprüfen könne man sie ohnehin nicht. Auch im Drohnenkrieg in Pakistan würden die Zahlen oft "geschönt", also Zivilisten als tote Terroristen ausgewiesen.

Stimmten die Angaben über den "Islamischen Staat allerdings, bedeutete dies eine Schwächung der Dschihadisten. Steinberg geht davon aus, dass zumindest "viele Gotteskrieger" durch Luftschläge ums Leben kamen. Die Terrororganisation reagiere deshalb zwar nervös, entscheidend geschwächt sei sie aber nicht. "Dafür braucht es Bodentruppen. Und viel Zeit."

Kobane weiter umkämpft

Dass es Zeit braucht, um den "Islamischen Staat" zu schwächen, gilt anscheinend auch für die seit Monaten heftig umkämpfte nordsyrische Stadt Kobane. In den vergangenen Tagen hat es immer wieder Meldungen gegeben, wonach kurdische Einheiten mithilfe von Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten den "Islamischen Staat" weiter zurückdrängen. Die Verteidiger sollen inzwischen wieder 85 Prozent des Stadtgebietes kontrollieren – behaupten die Kurden.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London berichtete kürzlich lediglich, es sei gelungen, einen Markt und einige Straßen im Nordosten Kobanes zurückzuerobern. Und von Bedeutung ist auch: Die Stadt an der Grenze zur Türkei liegt in einer Enklave. Das Umland wird nach wie vor von Truppen des "Islamischen Staats" kontrolliert. (mit AFP)


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