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"Islamischer Staat" : Jordanien exekutiert als Vergeltung zwei Terroristen

Jordanien hat als Reaktion auf die Tötung eines Kampfpiloten durch den IS zwei inhaftierte Terroristen hingerichtet. Die Terrormiliz hatte den als Geisel gehaltenen Piloten auf bestialische Weise umgebracht.

Proteste in Jordaniens Hauptstadt Amman nach der Ermordung eines Piloten durch die Terrormiliz IS
Proteste in Jordaniens Hauptstadt Amman nach der Ermordung eines Piloten durch die Terrormiliz ISFoto: Reuters/Ahmad Abdo

Als Reaktion auf die Ermordung eines jordanischen Kampfpiloten durch die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" hat Jordanien am frühen Mittwochmorgen nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei inhaftierte Islamisten hingerichtet. Die irakische Extremistin Sadschida al-Rischawi, deren Freilassung die jordanische Regierung im Austausch für den Piloten angeboten hatte, wurde den Angaben zufolge gehängt. Sie soll an einem Bombenanschlag beteiligt gewesen sein, bei dem vor zehn Jahren in Amman 60 Menschen getötet wurden. Zudem
wurde ein ranghohes al-Kaida-Mitglied hingerichtet. Der Mann war wegen Anschlagsplanungen gegen das pro-westliche Königreich zum Tode verurteilt worden.

Der vom IS gefangene Pilot Muas al-Kasasba war von seinen Geiselnehmern offenbar bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Auf dschihadistischen Internetseiten waren am Dienstag entsprechende Bilder aus einem Video veröffentlicht worden.

Entsetzen nach Ermordung des Piloten

Al-Kasasba war im Dezember über dem nordsyrischen Al-Rakka abgestürzt und von den IS-Dschihadisten gefangen genommen worden. Der 26 Jahre alte Oberleutnant war der erste Soldat der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Extremisten gefallen war. „Dies ist das erste Mal, dass die Gruppe eine Geisel verbrannt hat, die große Beachtung in den Medien gefunden hat“, stellte das auf Terrorismus spezialisierte Intel Center aus Alexandria bei Washington fest. „Dies zeigt, dass die Gruppe fortlaufend ihre Methoden weiterentwickelt, um die größte Publicity zu erzielen.“

US-Präsident Barack Obama nannte die IS-Miliz in einer ersten Reaktion "bösartig" und "barbarisch". Die mutmaßliche Ermordung al-Kasasbas werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, sagte er. „Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert“, sagte Obama. Die Extremisten des IS seien nur an Tod und Zerstörung interessiert.

Kanzlerin Angela Merkel hat dem jordanischen König Abdullah II. kondoliert. „Mit großem Entsetzen habe ich die furchtbare Nachricht von der Ermordung des jordanischen Piloten vernommen. Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind“, schrieb sie am Dienstag in einem Telegramm. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte zum Tod des Soldaten: „Über die Ermordung des jordanischen Piloten Muas al-Kasasba durch die barbarischen Terrorhorden der ISIS sind wir zutiefst erschüttert. Sollte sich das Video als authentisch erweisen, läge das jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft.“

Erfolgloses Bemühen um Freilassung

Die Regierung in Amman hatte bis zuletzt versucht, den Piloten freizubekommen. So war mehrfach ein Austausch im Gespräch, zuletzt mit der seit 2005 in Jordanien inhaftierten Terroristin Sadschida al-Rischawi, die vom IS als Heldin verklärt wird. Als Rache für den Mord an al-Kasasba will Jordanien die Terroristin am Mittwoch hinrichten. „Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein“, sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen. „Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde.“
Ohnehin waren die Verhandlungen über einen Austausch offensichtlich eine Farce. Al-Kasasba soll dem jordanischen Staatsfernsehen zufolge bereits am 3. Januar – vor Beginn der Verhandlungen – ermordet worden sein.

Der IS hatte erst am Wochenende ein Video von der Ermordung des japanischen Journalisten Goto veröffentlicht. Goto war im Oktober in Syrien verschleppt worden, wo er nach seinem entführten Freund Haruna Yukawa suchen wollte. Yukawa wurde vor wenigen Tagen vom IS ermordet. Der Fall des Japaners war mit dem des entführten und nun getöteten jordanischen Kampfpiloten verknüpft. Der IS hatte von Amman die Freilassung einer inhaftierten Dschihadistin gefordert und andernfalls mit der Tötung des Jordaniers gedroht. Der UN-Sicherheitsrat hatte in einer Erklärung die umgehende und "bedingungslose" Freilassung aller Geiseln gefordert, die vom IS und anderen Extremistenorganisationen gefangen gehalten werden.

Grausame Tötungen von Geiseln und die Verbreitung entsprechender Videos und Fotos über das Internet gehören zur Strategie der Terrormiliz. Damit will der IS offenbar das Erpressungspotenzial gegenüber den jeweiligen Staaten und der gesamten Anti-IS-Allianz erhöhen. Das wirft auch für die Medien immer wieder die Frage auf, wie sie mit diesen Videos von den bestialischen Terrorakten umgehen.

Lesen Sie hier einen Text dazu von Tagesspiegel-Redakteurin Juliane Schäuble. (Tsp, AFP, dpa, Reuters)

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