Islamisten in Nigeria : Boko-Haram-Chef soll bei Angriff schwer verletzt worden sein

Der Anführer der Terrorgruppe Boko Haram soll schwer verletzt oder sogar getötet worden sein. Allerdings wurde Abubakar Shekau schon häufiger für tot erklärt.

Abubakar Shekau hatte die Führung der Extremistengruppe Boko Haram 2009 übernommen.
Abubakar Shekau hatte die Führung der Extremistengruppe Boko Haram 2009 übernommen.Foto: AFP

Bei einem Luftangriff sind nach Angaben des nigerianischen Militärs mehrere Anführer der islamistischen Terrororganisation Boko Haram getötet worden. Der Chef der Terrormiliz, Abubakar Shekau, sei bei dem Luftangriff auf ein Versteck der Organisation im Nordosten Nigerias schwer verletzt worden, teilten die Streitkräfte am Dienstag mit. Der „spektakuläre Luftangriff“ erfolgte demnach am vergangenen Freitag in der Sambisa-Waldregion im Bundesstaat Borno.

Aus der Pressemitteilung des Militärs ging nicht eindeutig hervor, ob Shekau inzwischen tot ist. „Es wird angenommen, dass ihr Anführer, der sogenannte Abubakar Shekau, tödlich an den Schultern verletzt wurde, mehrere andere Terroristen wurden ebenfalls verletzt“, erklärte Militärsprecher Sani Usman. Unklar blieb auch, worauf die Streitkräfte ihre Vermutung stützten. Das Militär hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Shekaus Tod vermeldet, dieser wandte sich jedoch später wieder mit Video- oder Audiobotschaften an die Öffentlichkeit. Shekau hatte die Führung der Extremistengruppe übernommen, nachdem ihr Gründer Mohammed Yusuf 2009 vom Militär getötet worden war.

Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias

Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Nordosten Nigerias. Die sunnitischen Fundamentalisten wollen dort und in den angrenzenden Gebieten der Nachbarstaaten Kamerun, Tschad und Niger einen sogenannten Gottesstaat errichten. Bei Anschlägen und Angriffen der Terrormiliz kamen seither mindestens 14.000 Menschen ums Leben. Andere Schätzungen sprechen von bis zu 20.000 Toten. Rund 2,5 Millionen Menschen sind wegen der Gewalt aus ihrer Heimat geflohen.

Weltweite Schlagzeilen löste vor mehr als zwei Jahren die Entführung von mehr als 270 Schülerinnen im nigerianischen Chibok aus. Mehr als 200 befinden sich offenbar noch in Gewalt der Islamisten. Vergangene Woche veröffentlichte Boko Haram ein Video, das einige der Mädchen zeigen soll. "Sie sollten wissen, dass ihre Kinder sich noch in unseren Händen befinden", sagte ein vermummter Mann in dem Video. Er forderte die Befreiung von Boko-Haram-Kämpfern im Austausch gegen die Mädchen. Ein Vater erkannte seine Tochter wieder.

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Bring Back Our Girls kritisiert nigerianische Regierung
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US-Außenminister John Kerry lobt bei Besuch die Armee

Am Dienstag hielt sich auch US-Außenminister John Kerry in Nigeria auf. Bei einer Rede im nördlichen Sokoto lobte er den "effizienten" Kampf der nigerianischen Armee gegen Boko Haram, mahnte aber auch zur Einhaltung der Menschenrechte. In der Vergangenheit hatten zahlreiche Organisationen den nigerianischen Streitkräften immer wieder vorgeworfen, mit exzessiver Gewalt gegen vermeintliche Boko-Haram-Känmpfer vorzugehen.

Die nigerianischen Streitkräfte haben Boko Haram seit Anfang 2015 militärisch weitgehend aus dem Nordosten des Landes zurückgedrängt. Die Lage der Zivilbevölkerung in den lange umkämpften Gebieten ist Helfern zufolge jedoch kritisch. Die Zahl der auf Nahrungsmittelhilfe angewiesenen Menschen hat sich dort binnen weniger Monate nahezu verdoppelt, wie das Welternährungsprogramm (WFP) am Dienstag erklärte. Inzwischen seien 4,5 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen, verglichen mit 2,5 Millionen Menschen im März.

Wegen der schlechten Wirtschaftslage könnte die Zahl dem WFP zufolge bis nächsten Monat nochmals um eine Million Menschen ansteigen. In Gebieten, die erst kürzlich von Boko Haram zurückgewonnen wurden, leben rund 65.000 Menschen in Zuständen, die einer Hungersnot gleichen, warnte das WFP. Helfer haben demnach noch keinen geregelten Zugang zu diesen Gebieten in den Bundesstaaten Borno und Yobe. (dpa/AFP/epd)

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