Politik : Islamisten in Wien hatten Irak-Kontakt Mögliche Verbindung zu Entführern von Deutschen

Wien - Zwischen den in Wien festgenommenen Islamisten und den Entführern von zwei Deutschen im Irak gibt es nach einem Bericht der Wiener Zeitung „Kurier“ möglicherweise eine Verbindung. Die drei muslimischen Österreicher – zwei junge Männer und eine junge Frau – hätten Kontakte zu den Entführern der beiden Deutschen Hannelore und Sinan Krause gehabt, meldete das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Hannelore Krause ist vor mehreren Wochen freigekommen.

Die drei Festgenommenen könnten unter anderem die Erpresserbriefe für die Entführer verfasst haben, hieß es. Nach Angaben des Innenministeriums hielt sich einer der drei im Jahr 2003 auch im Irak auf. Die Verdächtigen, die auch ein Drohvideo gegen Deutschland und Österreich produziert haben sollen, wurden am Donnerstag in ein Wiener Untersuchungsgefängnis gebracht.

Österreichs Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum, sagte dem ORF, die Festnahmen seien mit den Mitteln eines auch in Österreich möglichen „großen Lauschangriffs“ vorbereitet worden. Der Einsatz sogenannter Trojaner, wie er in Deutschland diskutiert wird, ist in Österreich verboten. Nach Angaben von Buxbaum wurde auf Grund einer richterlichen Genehmigung der E-Mail-Verkehr der drei überwachten Muslime „mitgelesen“. Der Einsatz von Trojanern wäre „natürlich eine Hilfestellung“, sagte Buxbaum. Die Entscheidung darüber müsse aber auf der politischen Ebene fallen.

Der 22-jährige Hauptverdächtige war nach Medienberichten Betreiber der Homepage der „Globalen Islamistischen Medienfront“ für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die Plattform sei dazu genutzt worden, Propagandavideos, Botschaften und Nachrichten des Terrornetzes Al Qaida und ihm nahestehender Gruppen zu verbreiten. Anschläge hätten sie aber nicht geplant. Auch nach der Auswertung des bei Hausdurchsuchungen sichergestellten Computers und der Festplatte wurden nach Polizeiangaben keine Hinweise darauf gefunden.

Den Hauptverdächtigen hatte der ORF im Frühjahr interviewt. Nach Angaben des Senders sagte der damals für die Kamera vermummte Mann in dem Beitrag: „Jedes Land, das Truppen in Afghanistan hat, ist Teil der Allianz. (...) Wir wollen auf unsere Art und Weise Anschläge verhindern. Der einzige Weg ist, dass Regierungen ihre Truppen aus Afghanistan zurückziehen.“

In einem Drohvideo, für das die drei festgenommenen Österreicher arabischer Herkunft verantwortlich gemacht werden, war der Rückzug aller Deutschen und Österreicher aus Afghanistan gefordert worden. Es war am 9. März auf der islamistischen Webseite „Stimme des Kalifats“ erschienen. dpa

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