Islamkonferenz : Konfliktpotential muss verhandelt werden

Vor dem zweiten Treffen der Islamkonferenz am Mittwoch treten die Differenzen zwischen dem Zentralrat der Muslime und der Bundesregierung deutlich zutage.

Düsseldorf - Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), kritisierte die Forderung der Muslime nach getrenntem Sportunterricht für Jungen und Mädchen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sprach der Politik den guten Willen ab. Ein weiterer Streitpunkt ist die Rolle des Koordinierungsrates der Muslime.

Böhmer sagte, "Wir werden nicht zulassen, dass eine kleine Minderheit von Rückwärtsgewandten hier die Regeln ihrer Großväter zu installieren versucht." Kulturelle Vielfalt sei schön und bereichernd. Sie ende aber dort, wo Deutschlands Grundwerte in Frage gestellt würden. "Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines dieser nicht verhandelbaren Grundrechte", hob die Integrationsbeauftragte hervor.

Rat vertritt nicht die Mehrheit der Muslime

Kritisch äußerte sich die Unions-Politikerin zur Zusammensetzung des Koordinierungsrates der Muslime, der Ansprechpartner von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein soll. In Deutschland lebten Schätzungen zufolge drei Millionen Muslime. Die Verbände im Koordinierungsrat verfügten aber nur über knapp 300.000 Mitglieder. "Der Rat vertritt also nur etwa zehn Prozent der Muslime", sagte Böhmer. Das Gremium könne damit kaum für sich in Anspruch nehmen, die Interessen aller Muslime zu vertreten.

Mazyek sagte dazu: "Ich vermisse die Ernsthaftigkeit in der Debatte." Schäuble habe selbst einen Zusammenschluss der Muslime gefordert. Nun werde der Koordinierungsrat von ihm relativiert und kleingeredet. Mazyek erneuerte seine Forderung, den Islam als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft in Deutschland anzuerkennen. Er habe den Eindruck, dass man die Anerkennungsfrage fürchte wie der Teufel das Weihwasser. "Ich möchte, ehrlich gesagt, diese Diskussion nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag führen", sagte er. (Von Martin Roy, ddp)

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