Islamkonferenz : Muslime können sich nicht einigen

20.03.2010 00:00 UhrVon Andrea Dernbach

Die muslimischen Verbände haben die Entscheidung über die weitere Teilnahme an der Deutschen Islamkonferenz erneut verschoben.

Berlin - Ein für Freitag anberaumtes Treffen der vier im Koordinationsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossenen Verbände wurde auf Bitten der türkisch-islamischen Ditib kurzfristig abgesagt. Schon am vergangenen Freitag war keine gemeinsame Erklärung zustande gekommen. Der KRM war 2007 gegründet worden, um die Anliegen der Muslime gegenüber dem Staat stärker vertreten zu können.

Die Krise war durch die Weigerung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ausgelöst worden, weiterhin den Islamrat als Mitglied der Konferenz zu akzeptieren, einen der vier KRM-Verbände. Die Moscheevereine des Islamrats werden größtenteils der konservativen Milli Görüs zugerechnet, gegen die Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung laufen; gegen den Generalsekretär wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

Der Ausschluss des Islamrats, so war am Freitag zu erfahren, habe aber in den Beratungen nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt. Anscheinend gibt es aber Differenzen darüber, mit wie viel Nachdruck – unter Umständen unter Verzicht auf die Teilnahme – man Kritik an den Plänen des Ministeriums zur Fortsetzung der Konferenz formulieren soll. Es gehe um die Frage, „ob man eigene Standpunkte vertreten oder im Fahrwasser der Politik segeln“ wolle, hieß es aus Verbandskreisen.

Kritik hatten die Verbände nicht nur am Ausschluss des Islamrats formuliert, sondern auch am Vorgehen des Ministeriums, das Mitglieder und Programm der Konferenz erneut ohne Einbindung der Muslime bestimmt hatte. Eine Einladung des KRM an den neuen Minister sei bisher ohne Antwort geblieben. Auch zwei frühere Mitglieder der DIK, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der Kölner Orientalist Navid Kermani, äußerten sich kritisch: Kermani sprach in der „Frankfurter Rundschau“ von einem „Diktat“ des Ministeriums. Der „Stil der Akteure“ dort sei „ausbaufähig“; mit dem Ausschluss des Islamrats grenze de Maizière zudem den konservativsten Teil des Islams in Deutschland aus, statt sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Die kurze Erklärung der Ditib vom Freitag lässt nun darauf schließen, dass sie auch ohne Vorbedingungen an der ersten vorbereitenden Sitzung der Neuauflage der Islamkonferenz nächste Woche teilnehmen will. Das Treffen biete „Gelegenheit, die eingeladenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DIK persönlich kennenzulernen und die Plattform zu nutzen, unsere Anliegen und Erwartungen vorzutragen“, hieß es in der Erklärung. Der Innenminister zeigte sich am Freitag zufrieden über diese Entwicklung. Er begrüße die Erklärung der Ditib, erklärte de Maizière. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite