Islamkonferenz : Neubeginn mit Hindernissen

Die zweite Islamkonferenz hat in Berlin begonnen. Zwei große Verbände fehlen in der Runde – und wichtige Themen.

von
Ein Teil Deutschlands: Gläubiger bei der Koranlektüre in der Essener Fatih-Moschee.
Ein Teil Deutschlands: Gläubiger bei der Koranlektüre in der Essener Fatih-Moschee.Foto: dpa

Berlin - Neuer Minister, neuer Anfang: Aus der Deutschen Islamkonferenz, die Wolfgang Schäuble vor vier Jahren ins Leben rief, ist die „DIK II“ seines Nachfolgers im Innenministerium, Thomas de Maizière, geworden. Die 30 Teilnehmer in Berlin zur konstituierenden Sitzung.

Auch die neue Konferenz soll nach de Maizières Wunsch Forum sein für den „institutionalisierten Dialog zwischen Staat und Muslimen“. Beim Personal hat er darauf reagiert, dass die meisten Probleme in diesem Dialog keine für die Bundesebene sind, sondern dass hier die Länder, Städte und Gemeinden den Ton angeben. So wurde der Anteil von acht Vertretern der Bundespolitik auf sechs reduziert, der der Länder von vier auf sechs erhöht und statt kommunaler Verbände nehmen nun vier Oberbürgermeister teil.

Für die muslimische Seite hat sich die Einladungspolitik des Innenministeriums auf den ersten Blick kaum verändert: Es bleibt dabei, dass die muslimischen Verbände ein Drittel und muslimische Einzelpersönlichkeiten zwei Drittel der fünfzehn muslimischen Vertreter in der Konferenz stellen. Und erstmals ist unter ihnen auch eine Kopftuchträgerin, die 28-jährige Doktorandin Tuba Isik-Yigit (siehe Interview unten). Dass trotz leidenschaftlicher Diskussionen der Öffentlichkeit gerade über das Kopftuch bisher keine einzige verschleierte Muslima mit am Tisch saß, hatte schon in der ersten Phase zu Irritationen geführt. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu räumte damals seinen Platz demonstrativ für eine, wie er sagte, „Schamtuchträgerin“ – erfolglos.

Im Detail hat sich die Zusammensetzung der muslimischen Vertretung am Tisch dramatisch verändert: zwei der vier großen Verbände werden nicht dabei sein, der Islamrat und der Zentralrat der Muslime. Den Islamrat hatte de Maizière selbst als Vollmitglied ausgeschlossen und dabei auf die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen dessen tragendes Mitglied Milli Görüs verwiesen. Sein Vorgänger Schäuble hatte in Kenntnis dieser Ermittlungen dagegen für eine breite Vertretung der Muslime und deren Einbindung in den Dialog entschieden. Der Zentralrat hat in der vergangenen Woche de Maizières Einladung in die DIK ausgeschlagen. Er kritisierte, dass keine Rücksicht auf die Selbstorganisation der Muslime genommen werde, das Thema Islamfeindschaft nur eine untergeordnete Rolle spiele und eine Arbeitsgruppe fehle, in der Muslime und Staat einen Fahrplan für die Anerkennung als Religionsgemeinschaft hätten besprechen können – Voraussetzung etwa für eine muslimische Beteiligung an Entscheidungen über islamischen Religionsunterricht.

Dieses – für eine Islamkonferenz zentrale – Feld lag schon in der ersten DIK brach. Und de Maizière, der der zweiten mehr Praxisnähe verordnet hat, scheut hier den Praxistest: Auf dem Ökumenischen Kirchentag sagte er am Wochenende, bis zur Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft werde es „wohl noch ein bisschen dauern“. Das meinte schon sein Vorgänger. Im Unionslager ist manchem selbst das Miteinanderreden schon zu viel: Bayerns Innenminister Herrmann wetterte gegen de Maizières Vorschlag eines Kirchentags mit Muslimen: Das gehe zu weit.

Autor

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben