Islamkonferenz : Union fordert Eintreten für westliche Werte

Nach dem Auftakt der Islamkonferenz mahnen Unions-Politiker ein stärkeres Eintreten für westliche Werte an. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) betonte, nur wer sich selbst respektiere, werde auch von anderen respektiert.

Berlin - CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kritisierte, jahrelang sei der Eindruck vermittelt worden, der Westen müsse für seine Werte gar nicht mehr kämpfen. Er forderte die Christen auf, stärker "für unsere eigenen Werte und unseren Glauben" einzutreten. Stoiber lehnte zugleich ein zu starkes Entgegenkommen gegenüber muslimischen Vorstellungen ab. "Dialog der Kulturen ist nicht eine Art Kompromiss zwischen Werteordnungen", sagte er. In deutschen Moscheen müsse zumindest auch deutsch gesprochen und auf Deutsch gepredigt werden.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte dagegen, man werde "wohl verbindlich nicht vorschreiben können", in welcher Sprache in einer Moschee gepredigt werde. Er mahnte zugleich, wenn Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft und Religion friedlich in einem Land zusammenleben wollten, müssten alle die gleichen Regeln beachten. "In Deutschland können das nur unsere Regeln sein. Wir müssen unsere Werteüberzeugung offensiv vertreten, nicht relativieren", fügte Bosbach hinzu.

Schäuble: Keinen formellen Schwur erwartet

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) machte deutlich, dass er von den Teilnehmern der Islamkonferenz keinen formellen Schwur auf das Grundgesetz erwartet. "Es geht nicht um bekunden und beurkunden", sondern darum, die Verfassung auch praktisch zu leben. "Das Grundgesetz gilt, das ist nicht verhandelbar", betonte Schäuble. Pofalla verlangte auch von den Muslimen in Deutschland mehr Engagement für die westlichen Werte. Zu erklären, man stehe hinter dem Grundgesetz, sei eine Selbstverständlichkeit. "Wir erwarten mehr: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die scharfe Ablehnung jeder Form von Gewalt - sie müssen sich im alltäglichen Leben zeigen", mahnte Pofalla.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kritisierte derweil unterschiedliche Maßstäbe im öffentlichen Umgang mit Religionen. Gelegentlich könne man "sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Künstler, Journalisten und Intellektuelle, die sich dem Christentum gegenüber besonders mutig und kritisch gebärden und auch vor Häme und Spott nicht zurückschrecken, gegenüber dem Islam eine betont behutsame, manchmal ganz ängstliche Tonlage pflegen", sagte er. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar