Islamkritischer Film : Mohammed-Karikaturist verklagt Populist Wilders

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard will gerichtlich gegen den Anti-Islam-Film "Fitna" des niederländischen Politikers Geert Wilders vorgehen. Westergaard wehrt sich dagegen, dass seine Karikatur des Propheten Mohammed im Film auftaucht. Wilders setzt in dem 15 Minuten langen Streifen den Islam mit dem Faschismus gleich und verlangt ein Verbot des Korans.

Fitna
Ausschnitt aus ''Fitna'' -Foto: AFP

KopenhagenWestergaard sagte am Freitagmorgen im Rundfunk in Kopenhagen, er betrachte die Verwendung seiner Karikatur am Anfang und Ende des Films als Missbrauch. Die Zeichnung zeigt den Propheten Mohammed als Terrorist mit einer Bombe im Turban. Die Veröffentlichung der Karikatur in der Zeitung "Jyllands-Posten" im Jahr 2005 hatte für weltweite Proteste unter Muslimen gesorgt. Westergaard lebt nach Morddrohungen an wechselnden Adressen.

Der Karikaturist kündigte an, dass er per einstweiliger Verfügung ein Verbot von Wilders' Film erreichen will. Auch die "Jyllands-Posten" distanzierte sich von "Fitna". Der Regierungschef der Niederlande, Jan Peter Balkenende, verurteilte den Film. Er verbinde Gewalt und den Islam - diese Interpretation lehne die niederländische Regierung ab, sagte Balkenende am Donnerstagabend in einer auf niederländisch und englisch abgegebenen Erklärung. "Wir bedauern, dass Herr Wilders den Film veröffentlicht hat", fuhr er fort. Das im Internet gezeigte Video habe kein anderes Ziel als zu beleidigen.

Regierungschef warnt vor Gewalt

Balkenende warnte zugleich vor gewaltsamen Reaktionen auf den Film. Gewalt oder Bedrohungen könnten nicht mit Wilders' Beleidigungen entschuldigt werden. Deshalb werde die niederländische Regierung auf jeden Gesetzesverstoß reagieren, sagte Balkenende weiter. Auch bei dem Film solle überprüft werden, ob er gegen das Gesetz verstoße. Die niederländische Regierung hatte wegen befürchteter Ausschreitungen wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemark mehrmals versucht, Wilders von seinem Projekt abzubringen. Dieser hielt jedoch daran fest und stellte den Film schließlich am Donnerstag auf dem Videoportal www.liveleak.com online.

Muslim-Verbände auf Deeskalation bedacht

Niederländische Muslim-Verbände erklärten kurz nach Veröffentlichung des Films, er sei nicht so schlimm wie erwartet. Sie hatten befürchtet, Wilders würde in dem Video den Koran verbrennen oder ihn in Stücke reißen. Dies sei aber nicht der Fall. In dem Film kombiniert Wilders Bilder von Opfern terroristischer Anschläge mit Koranversen. Auch die Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 sind in dem Film zu sehen.

Die britische Internetseite www.liveleak.com rechtfertigte unterdessen die Veröffentlichung des Films. Es habe keine rechtlichen Gründe gegeben, die dagegen sprachen, hieß es in einer Erklärung auf dem Videoportal. Liveleak.com nehme eine unparteiische Position ein und wolle der Meinungsfreiheit nicht entgegenstehen, auch wenn es Wilders Meinung nicht teile. (feh/dpa/AFP)

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