Island : Linke erreichen deutliche Mehrheit

Die Links-Parteien in Island haben bei den vorgezogenen Parlamentswahlen zum ersten Mal seit der Staatsgründung die absolute Mehrheit erreicht. Die sozialdemokratische Partei von Ministerpräsidentin Sigurdardóttir kam zusammen mit den Linksgrünen auf 52,7 Prozent der Stimmen.

ReykjavikDie sozialdemokratische Partei von Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir wurde mit rund 33 Prozent stärkste Partei, ihr Koalitionspartner von den Linksgrünen erreichte 20 Prozent. Beide Parteien hatten im Februar eine Minderheitsregierung gebildet, nachdem der konservative Regierungschef Geir Haarde wegen massiver Bürgerproteste zurücktreten musste.

Im neuen Parlament stellen die beiden Linksparteien mit 34 von 63 Abgeordneten die absolute Mehrheit. Erklärtes Ziel Sigurdardóttir ist der schnellstmögliche EU-Beitritt für ihr Land. Da ihre Koalitionspartner von den Linksgrünen gegen eine EU-Mitgliedschaft der Inselrepublik sind, gilt eine baldige Volksabstimmung über die Frage des Beitrittsgesuchs als wahrscheinlich.

Schwere Folgen der Wirtschaftskrise

Die konservative Selbstständigkeitspartei fiel auf 22,4 Prozent zurück. Bis zum Rücktritt Haardes hatte sie Island 18 Jahre regiert und galt als klar dominierende politische Kraft. Ursache für ihre Niederlage ist der Zorn der Bevölkerung Islands über die katastrophale Wirtschaftsentwicklung des Landes.

Der Insel-Staat im Nordatlantik war das erste Land, dessen Regierung als Folge der Finanzkrise zusammenbrach. Islands Banken waren in großem Umfang risikoreiche Geschäfte eingegangen und hatten mit günstigen Zinskonditionen Kunden geworben. Nach dem Ausbruch der Krise verlor die Landeswährung an Wert, das Finanzsystem brach zusammen. Die Arbeitslosigkeit des Landes ist von einem auf knapp zehn Prozent gestiegen und die Lebenshaltungskosten sind dramatisch angestiegen. (sh/dpa/Reuters)

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