Israel : Ausschreitungen bei Marsch jüdischer Extremisten

Bei Protesten gegen den Aufmarsch jüdischer Extremisten hat es am Dienstag in der Stadt Um El Fahem gewaltsame Zusammenstöße gegeben. Rund 3000 Polizisten schützten die 100 Demonstranten in der größten arabischen Stadt Israels. Nach Steinwürfen setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein.

Tel AvivBei einem Marsch jüdischer Extremisten in der größten arabischen Stadt Israels ist es am Dienstag zu Ausschreitungen gekommen. Ein Polizeisprecher sagte, arabische Einwohner der Stadt Umm el-Fahm hätten Steine auf Polizisten geworfen, die sie von den jüdischen Demonstranten fernhielten. Die Polizei habe daraufhin Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die aufgebrachten Einwohner eingesetzt. Drei arabische Demonstranten seien festgenommen worden. Nach Angaben von Sanitätern wurden 16 Menschen leicht verletzt.

Der genehmigte Marsch, mit dem Repräsentanten der radikalen Rechten die jüdische Oberhoheit im ganzen Land demonstrieren wollten, wurde am Vormittag von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Die etwa 100 Demonstranten schwenkten in den Außenbezirken der Stadt blau-weiße israelische Flaggen.

Knessetabgeordneter: "Brandstiftung"

Die Polizei hatte mehrfach versucht, die Aktion zu verhindern. Das Oberste Gericht hatte den Marsch jedoch schließlich genehmigt. Am Tag der Parlamentswahl am 10. Februar hatte die Polizei den rechtsextremen jüdischen Aktivisten Baruch Marsel daran gehindert, Umm el-Fahm zu betreten. Marsel von der ultrarechten Nationalen Union hatte damals darauf bestanden, in der arabischen Stadt Vorsitzender in einer örtlichen Wahlstation zu sein. Er war einer der etwa 100 Teilnehmer des Marschs.

Dutzende israelischer Araber hatten sich schon am Morgen am Stadteingang von Umm el-Fahm versammelt, um den Demonstrationszug zu blockieren. Der arabische Knessetabgeordnete Ahmed Tibi nannte die Aktion der Rechtsextremisten "Brandstiftung" von radikalen Aufhetzern.

Der jüdische Abgeordnete Michael Ben-Ari (Nationale Union) bezeichnete den Marsch dagegen als einen "wichtigen Meilenstein". "Wenn wir die israelische Flagge nicht in Umm el-Fahm schwenken können, dann können wir es auch bald nicht mehr in Tel Aviv und Jerusalem." In den Augen der radikalen Rechten sind die israelischen Araber eine feindselige "5. Kolonne". (goe/dpa/AFP)

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