Israel-Besuch : Papst Benedikt XVI. betet an der Klagemauer

Überschattet von Kritik an seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem hat Papst Benedikt XVI. seinen historischen Besuch in Israel fortgesetzt. Als erster Papst besuchte er den muslimischen Felsendom. Der wohl emotionalste Moment war das Gebet Benedikts XVI. an der Klagemauer.

Papst Klagemauer
Stilles Gebet: Benedikt XVI. an der Klagemauer. -Foto: dpa

JerusalemHöhepunkte der Papstreise: In der Jerusalemer Altstadt besuchte der Papst am zweiten Tag seiner Reise die heiligen Stätten von Juden und Muslimen. An der Klagemauer, der wichtigsten religiösen Stätte der Juden, verharrte er lange in stillem Gebet und steckte der Tradition gemäß einen Zettel in die Wand. Als erster Papst hatte er zuvor unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen den Felsendom auf dem Tempelberg besichtigt und dem Großmufti von Jerusalem einen Höflichkeitsbesuch abgestattet.

In Israel herrschte am Dienstag vorwiegend Enttäuschung über die Rede von Benedikt in Jad Vaschem am Vortag. Er war dabei nicht auf die Rolle der Kirche bei der Judenvernichtung eingegangen. Israel Lau, Holocaust-Überlebender und Rabbiner von Tel Aviv, sagte, es sei "eine historische Stunde versäumt worden". Anders als sein Vorgänger Johannes Paul II. habe er hinsichtlich der jüdischen Opfer nicht das Wort "ermordet" verwendet, sondern nur von "getötet" gesprochen.

"Katholische Kirche in der Pflicht zur Aussöhnung mit den Juden"

Der Leiter von Jad Vaschem, Avner Schalev, sagte am Dienstag, er sehe "positive Elemente" in der Rede des Papstes. Durch seine Wortwahl habe der Papst aber insgesamt versäumt, der Größe des Verbrechens Ausdruck zu verleihen. Auch habe er nicht die deutsche Verantwortung erwähnt. Der Vorsitzende des israelischen Holocaust-Dachverbandes, Noach Flug, sagte hingegen, er verstehe die Vorwürfe gegen den deutschen Papst nicht. "Er ist nicht Präsident einer zionistischen Organisation", sagte Flug, der auch Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees ist. Daher könne man auch nicht erwarten, dass er wie ein Rabbiner spricht.

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29.07.2009 08:29Nach Johannes Paul II. ist Papst Benedikt XVI. der zweite Papst an der Klagemauer. -


Bei einem Treffen mit den israelischen Oberrabbinern bekräftigte Benedikt am Dienstag seinen Willen zur Vertiefung der Verständigung und Zusammenarbeit des Vatikans mit dem israelischen Oberrabbinat und Juden in aller Welt. "Ich habe heute die Gelegenheit zu wiederholen, dass die katholische Kirche unwiderruflich dem Weg verpflichtet ist, der während des Zweiten Vatikanischen Konzils gewählt wurde, nämlich eine ehrliche und dauerhafte Versöhnung zwischen Christen und Juden."

Emotionale Höhepunkte an der Klagemauer

Es war ein emotionaler Höhepunkt der Pilgerreise des deutschen Papstes in Israel, als er mit ernstem Gesicht - jüdischen Gepflogenheiten folgend - einen Zettel mit einem Gebet in eine Lücke der Klagemauer steckte. Nach Angaben des Vatikans bittet Benedikt darauf Gott um Frieden in der Welt: "Schicke Deinen Frieden in das Heilige Land, in den ganzen Nahen Osten und die gesamte Menschheit."

Bei seinem Besuch auf dem Tempelberg sagte Benedikt in seiner Ansprache an Großmufti Mohammed Hussein, an diesem ältesten islamischen Sakralbau "kommen die Wege der drei großen monotheistischen Religionen zusammen, was uns an unsere Gemeinsamkeiten erinnert". Es war das erste Mal, dass ein Oberhirte aus Rom dieses wichtige islamische Wahrzeichen Jerusalems betrat. Der Heilige Vater zog dabei seine Schuhe aus.

In einer von Spaltungen geprägten Welt rege dieser heilige Ort auf dem Tempelberg dazu an, "mit gutem Willen daran zu arbeiten, Missverständnisse und Konflikte der Vergangenheit zu überwinden und den Weg eines ehrlichen Dialogs zu gehen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Gemeinsames Ziel sei Gerechtigkeit und Frieden. Am Nachmittag wollte Benedikt in Gethsemane am Fuße des Ölbergs eine Messe für rund 5000 Gläubige halten. Das ist der Ort, wo Jesus der Überlieferung nach vor seiner Kreuzigung gefangen genommen wurde. (sba/dpa) 

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