Israel : Deutsche bei Protest gegen Tod einer Palästinenserin festgenommen

Eine Deutsche ist in Israel bei einer Protestaktion gegen den Tod einer palästinensischen Demonstrantin festgenommen worden. Die israelische Polizei spricht von Ausschreitungen.

Ein israelischer Polizeisprecher teilte am Sonntag mit, die deutsche Touristin sei mit zehn weiteren Menschen an Ausschreitungen vor der Residenz des US-Botschafters in Herzlija bei Tel Aviv beteiligt gewesen. In der Nacht zum Sonntag hätten die Demonstranten einen alten Tränengasbehälter sowie eine Kette auf das Haus des Botschafters James Cunningham geworfen.

Sie protestierten damit gegen den Tod einer palästinensischen Demonstrantin bei Protesten gegen die israelische Sperranlage im Westjordanland. Jawaher Abu Rahma war am Samstag in einem Krankenhaus in Ramallah an den Folgen einer Tränengasvergiftung gestorben. Die Frau von Mitte 30 hatte am Freitag an den wöchentlichen Protesten gegen die israelische Sperranlage in Bilin teilgenommen. Nach Angaben von Demonstranten setzte die israelische Armee dabei massiv Tränengas gegen die Demonstranten ein. Ihr Bruder Bassem Abu Rahma war im April 2009 ebenfalls bei Protesten gegen die Sperranlage getötet worden.

Israel hatte die Sperranlage im Westjordanland nach zahlreichen palästinensischen Selbstmordanschlägen im Kernland errichtet. Die Palästinenser sehen die Anlage als Teil eines systematischen israelischen Landraubs, weil sie zu großen Teilen auf palästinensischem Gebiet verläuft.

Bereits am Samstag waren vor dem israelischen Verteidigungsministerium in Tel Aviv acht Demonstranten festgenommen worden, die gegen den Tod Abu Rahmas protestierten. Die Armee veröffentlichte Bilder von Demonstranten mit Steinschleudern, um zu beweisen, dass die Proteste in Bilin nicht friedlich verliefen.

Palästinenser an Kontrollpunkt erschossen

Unterdessen erschossen israelische Soldaten an einem Kontrollpunkt im Westjordanland einen Palästinenser. Nach Angaben von palästinensischen Rettungskräften und Sicherheitskreisen wurde der Anfang 20 Jahre alte Mann in der Nähe von Nablus im Norden des Westjordanlands getötet. Die Soldaten hätten ihm nicht gestattet, den Kontrollpunkt zu passieren, woraufhin ein Streit ausgebrochen sei.

Der israelische Militärrundfunk berichtete, der Mann habe einen Soldaten mit einem Messer angegriffen und sei daraufhin erschossen worden. Palästinensische Sicherheitskreise wiesen dies zurück; der Mann sei unbewaffnet gewesen. (dpa/AFP)

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