Israel : Geistlicher ruft zu Tag des Zorns in Jerusalem auf

In Jerusalem droht die Konfrontation zwischen Palästinensern und Israelis zu eskalieren. Israel schränkt den Zugang zu den heiligen Stätten ein. Muslime wurden aufgerufen, zur Verteidigung des Tempelbergs in die Stadt zu eilen.

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in Jerusalems Altstadt wächst: Der Führer der Islamischen Bewegung in Israel, Scheich Raed Salach, rief am Dienstag Muslime dazu auf, sofort zur Verteidigung des Tempelbergs zu eilen. Daraufhin forderten israelische Minister ein Verbot der Bewegung und warfen ihren Repräsentanten Hetze vor. Israelische Sicherheitskräfte nahmen Salach vorübergehend fest, setzten ihn am Abend aber wieder auf freien Fuß. Medienberichten zufolge verfügte der Haftrichter, dass Salach Jerusalem 30 Tage lang nicht betreten darf. Der populäre muslimische Prediger, Scheich Jussuf al-Qaradawi, hat für kommenden Freitag zu einem Tag des Zorns in Jerusalem aufgerufen und arabische Unterstützung für die Al-Aksa-Moschee gefordert.

Die Palästinenser sind unter anderem darüber verbittert, dass Israel den auch für Muslime heiligen Tempelberg während des jüdischen Laubhüttenfests (Sukkot) für arabische Gläubige unter 50 Jahren gesperrt hat. Am Montag hatten rund 30.000 Juden an der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem gebetet. Die Gläubigen empfingen an der heiligsten Stätte des Judentums zum Laubhüttenfest den Priestersegen.

Die Krawalle um den Tempelberg waren am Sonntag vergangener Woche ausgebrochen. Nach Darstellung der palästinensischen Autonomiebehörde begleiteten israelische Soldaten eine Gruppe jüdischer Siedler zu den islamischen heiligen Stätten. Nach israelischen Angaben handelte es sich um eine christliche Touristengruppe. Nach dem Vorfall grassierten unter der muslimischen Bevölkerung Gerüchte, dass Siedler den biblischen Tempel wieder aufbauen wollten. Muslime wurden mit Handzetteln aufgerufen, die Al-Aksa-Moschee zu verteidigen.

Die Spannungen zwischen der arabischen Bevölkerung im besetzten Ostteil Jerusalems und Israel spitzen sich seit Monaten gefährlich zu. Gründe dafür sind unter anderem die Bauaktivitäten jüdischer Siedler, die Zwangsräumung von Häusern, in denen arabische Familien lebten sowie die umstrittenen archäologischen Grabungen in dem mehrheitlich von Arabern bewohnten Ortsteil Silwan. Israelische Medien beschreiben Ostjerusalem als Pulverfass, das jederzeit explodieren könne.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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