Politik : Israel: Nichts gegen deutsche Truppen

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Tel Aviv - Die Zeiten ändern sich: Ministerpräsident Ehud Olmert hat nichts gegen die Präsenz deutscher Truppen im Südlibanon. Im Gegenteil. Zu Kriegsbeginn war man in Jerusalem nicht einmal bereit, über die Möglichkeit der Stationierung einer internationalen Truppe an der Nordgrenze nachzudenken. Jetzt, nach dreieinhalb Wochen zunehmend mörderischer Kämpfe, wünscht man sich nichts sehnlicher als eine solche Truppe.

Neben der Verhinderung der Rückkehr von Hisbollah-Kampfeinheiten in ihre Stellungen soll die internationale Truppe auch den Waffen- und Munitionsnachschub aus Syrien unterbinden. Dies erlaubte gar den Einbezug arabischer Staaten, vor allem aber sähe man in Israel am liebsten Bundeswehrsoldaten in der libanesischen Bekaa-Hochebene.

Ehud Olmert macht keinerlei Einschränkungen in Bezug auf eine deutsche Beteiligung an der internationalen Truppe. Er hat schon, als er noch dem „nationalen Lager“, dem Likud, angehörte, als einer der wenigen niemals Vorbehalte gegen Deutschland oder deutsche Truppen geäußert. Er schätzt die Zuverlässigkeit der deutschen Politik, die besondere Freundschaft Berlins, die Professionalität der Bundeswehr. In dieser Regierung ohne nationalistische Rechte steht er damit nicht allein da.

Und doch ist es für viele Israelis gewöhnungsbedürftig, wenn Olmert sagt, diese Bundeswehrsoldaten „wären Teil der Truppe, die Israel verteidigt“. Denn Olmert hat unzählige Male, wie ausnahmslos noch jeder führende Politiker in Israel, erklärt, er wolle unter keinen Umständen, dass irgendein ausländischer Soldat Israel verteidige. Und natürlich gibt es da und dort noch Vorbehalte gegen deutsche Truppen an der eigenen Grenze. Vorbehalte, die durch die Stationierung der Bundeswehrsoldaten an der libanesischen Grenze zu Syrien klug umgangen würden. Dort schützen diese Soldaten nicht den jüdischen Staat, sondern den Frieden. cal

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