Israel : Olmert bezeichnet Siedler-Angriffe als "Pogrom"

Nach der zwangsweisen Räumung jüdischer Siedlungen in Hebron und anschließender Racheakte von Siedlern hat Israels Präsident Olmert die Radikalen scharf kritisiert. Er forderte ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte.

Hebron
Geräumtes Siedlerhaus in Hebron. Nach der Räumung griffen jüdische Siedler Palästinenser an. -Foto: dpa

Jerusalem/ Gaza Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat Angriffe radikaler jüdischer Siedler in Hebron auf Palästinenser als "Pogrom" verurteilt. Olmert sprach sich am Sonntag nach israelischen Medienberichten für ein hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen gewalttätige Siedler aus. "Diese schlimmen Vorfälle müssen vollständig gestoppt werden", sagte Olmert den Angaben zufolge in Jerusalem.

Nachdem israelische Soldaten am Donnerstag ein von Siedlern besetztes Haus in Hebron geräumt hatten, war es zu schweren Rache-Angriffen auf Palästinenser gekommen. Dabei wurden nach Angaben der Palästinenserbehörde mindestens 30 Palästinenser verletzt, fünf durch Schüsse. Außerdem wurden fünf Häuser, zwei Moscheen und mehrere Autos in Brand gesetzt. In der Stadt leben rund 800 Siedler unter 200.000 Palästinensern.

Kraftwerk wegen Treibstoffmangels abgeschaltet

Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen wurde am Sonntag wegen Treibstoffmangels geschlossen, wie Kanan Obaid, der Vizeleiter der Energiebehörde im Gazastreifen, mitteilte. "Die Stadt Gaza und Teile des zentralen Gazastreifens werden nun von der Stromversorgung abgeschnitten sein", sagte Obaid. Die Anlage versorgt rund 800.000 der 1,5 Millionen Bewohner des Gazastreifens. Am Donnerstag hatte Israel eine halbe Million Liter Treibstoff für das Werk geliefert. Das Kraftwerk verbraucht allerdings zwei Millionen Liter pro Woche.

Wegen des fortwährenden Beschusses israelischer Städte mit palästinensischen Raketen hat Israel den Gazastreifen seit dem 5. November nahezu vollständig abgeriegelt. Seit Freitag schlugen erneut 12 selbstgebaute Kassam-Raketen sowie 13 Mörsergranaten im israelischen Grenzgebiet ein, wie eine Armeesprecherin am Sonntag mitteilte. Damit liege die Zahl der Angriffe mit Raketen und Mörsergranaten auf Israel im vergangenen Monat bei weit über 200, sagte sie. Die israelische Außenministerin Zipi Livni forderte am Sonntag während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem, Israel müsse militärisch auf die Angriffe reagieren.

Freilassung palästinensicher Häftlinge geplant

Israel will an diesem Dienstag als Geste des guten Willens anlässlich des muslimischen Opferfests 230 palästinensische Häftlinge freilassen. Das Büro des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert teilte am Sonntag mit, dies habe ein zuständiger Ministerausschuss entschieden. Bei den Häftlingen handele es sich um Mitglieder der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Keiner von ihnen sei an tödlichen Anschlägen auf Israelis beteiligt gewesen.

Die israelische Armee teilte zudem mit, es seien weitere Gesten zum Opferfest geplant. Palästinensische Männer über 45 dürften zum Gebet auf den Tempelberg in Jerusalems Altstadt. Palästinensische Familien aus dem Westjordanland sollen Genehmigungen zum Besuch ihrer Familien in Israel erhalten. Zudem sollten mehrere Grenzübergänge und Straßensperren im Westjordanland länger geöffnet bleiben, um den Palästinensern am Feiertag das Reisen zu erleichtern. (ut/dpa)

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