Israel : Olmert rechtfertigt Vorgehen im Libanon-Krieg

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat den Libanon-Feldzug im vergangenen Sommer vor der Untersuchungskommission gerechtfertigt.

Jerusalem - Wie aus Auszügen seiner Aussage vor der Kommission hervorgeht, rechnete die israelische Regierung mit einer längeren und militärisch harten Auseinandersetzung mit der Schiitenmiliz Hisbollah. Alle seien der Ansicht gewesen, dass Israel "hart" habe antworten müssen. Zugleich hätten alle gewusst, dass das wiederum eine "sehr harte Reaktion" hervorrufen werde, sagte Olmert den Aufzeichnungen zufolge.

"Wir wussten schon vorher, dass sie (die Hisbollah) unser Hinterland bombardieren würde und wir mussten eine Entscheidung fällen: nicht handeln oder das Spiel mitspielen", sagte Olmert weiter. Hätte er länger als 48 Stunden mit dem Einsatzbefehl gewartet, wäre die "internationale Dynamik" zugunsten Israels verpufft. Die Entscheidung sei in dem Bewusstsein getroffen worden, dass sie eine Eskalation in Gang setzen und zu Kämpfen führen werde, die "bestenfalls mehrere Wochen oder einige Tage bis einige Wochen" dauern würden. Angesichts der zu erwartenden Hisbollah-Angriffe auf israelische Städte sei der Regierung klar gewesen, dass "wir uns vorbereiten mussten", sagte Olmert weiter.

Sämtliche Rücktrittsforderungen zurückgewiesen

Der Untersuchungsbericht wirft Olmert sowie Verteidigungsminister Amir Perez und der Armeeführung jedoch schwere Versäumnisse und überhastete Entscheidungen vor. Rücktrittsforderungen werden in dem Bericht allerdings nicht erhoben. Olmert wies bislang sämtliche Rücktrittsforderungen zurück.

Olmert hatte am 12. Juli 2006 den Militäreinsatz angeordnet, nachdem Hisbollah-Kämpfer auf israelischem Gebiet mehrere israelische Soldaten getötet und zwei weitere entführt hatten. Der Einsatz wird in Israel als Fehlschlag gewertet, weil es weder zur Befreiung der Verschleppten noch zu einer wesentlichen Schwächung der Hisbollah kam. Während der 34 Tage dauernden Kämpfe wurden rund 1200 Libanesen und mehr als 160 Israelis getötet. (tso/AFP)

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