Politik : Israel plant neue Aktionen im Gazastreifen

Jerusalem - Die erste Phase der Operation „Warmer Winter“ ist Montagmorgen mit dem Abzug der israelischen Infanterie-, Artillerie- und Panzertruppen aus Dschabalija und Umgebung abgeschlossen worden. Ein hoher Militär warnte aber: „Eine Operation ist zu Ende, doch viele weitere sind auf dem Weg.“

Nach palästinensischen Angaben kamen in den letzten fünf Tagen mindestens 115 Palästinenser bei den Kämpfen ums Leben, meist Bewaffnete; weit über 300 wurden verwundet. Zwei israelische Soldaten wurden gleich zu Beginn der Kämpfe am Samstag getötet, einige meist leicht verletzt. Nach drei Tagen intensivstem Raketenbeschuss sowohl der Kleinstadt Sderot und Umgebung im nordwestlichen Negev und erstmals auch der Großstadt Aschkelon am Mittelmeer reduzierten die Palästinenser die Angriffe am Montagmorgen spürbar. Insgesamt schlugen über zwanzig erstmals eingesetzte Grad- Raketen iranischer Produktion in und bei Aschkelon ein.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte im Knesset-Ausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik überraschend, dass der Vorstoß nach Dschabalija nördlich von Gaza-Stadt nicht die Antwort auf den Beschuss Aschkelons sei. Vielmehr sei die Zeit für diese in ihrem Ausmaß außergewöhnliche Aktion reif gewesen. Rechte Oppositionspolitiker forderten ihn auf, endlich die Großoffensive zu starten, also den gesamten Gazastreifen zurückzuerobern.

Auf militärischer Ebene erklärte man sich zufrieden mit dem Ergebnis des Vorstoßes. Übereinstimmend betonten verschiedene Sprecher, dass es nicht darum gegangen sei, den Beschuss ein für alle Mal zu stoppen. Dies sei unmöglich: „Die sehr beschränkte Operation sollte Hamas zeigen, was passieren kann.“ Der Erfolg des Vorstoßes nach Dschabalija und dem gleichnamigen besonders militanten Flüchtlingslager könnte die erwartete große Bodenoffensive noch einmal hinausschieben. Vielmehr sieht es nun danach aus, dass die Armee in einer ganzen Reihe von begrenzten Vorstößen Hamas unter Druck zu setzen versucht.

Aus diplomatischen israelischen Kreisen in Berlin hieß es: „Es ist ein schrecklicher Fehler der palästinensischen Führung um Abbas, jetzt die Gespräche mit uns abzubrechen. Gerade jetzt, da die Lage schwierig ist, sind Gespräche zwischen uns dringend notwendig.“ cal/mal

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