Politik : Israel: Scharon will doch mit Arafat sprechen

Der neue israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu einer Begegnung eingeladen. Scharon habe in einem Brief die Hoffnung auf "persönliche Kontakte schon in naher Zukunft" geäußert, hieß es aus seinem Büro. Ziel müsse sein, dem Teufelskreis von Blutvergießen und Hass ein Ende zu machen, und es müssten Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit wiederhergestellt werden, schrieb der konservative Ministerpräsident. Er hatte am Mittwoch zusammen mit der sozialdemokratischen Arbeitspartei und nationalen und religiösen Parteien eine Koalition der nationalen Einheit gebildet. Im Westjordanland und im Gaza-Streifen gab es in der Nacht erneut mehrere Schießereien.

Scharon schrieb, Frieden in der Region sei nur durch Gespräche und direkte Verhandlungen "auf der Grundlage von Vereinbarungen und niedergeschriebenen und unterzeichneten Zusagen zwischen uns" möglich. Scharon hat erklärt, er sei zur Fortsetzung der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern bereit, wenn sie den Aufstand gegen Israel beenden. Scharons Sprecher wiederholte, erst müssten die Gefechte aufhören und wieder Ruhe einkehren, bevor die Verhandlungen wieder aufgenommen werden könnten. Dabei geht es um einen Palästinenserstaat in den besetzten Gebieten Westjordanland und Gaza-Streifen. Die seit September anhaltenden Unruhen dort haben mittlerweile mehr als 400 Menschen das Leben gekostet.

Scharon ist Nachfolger des sozialdemokratischen Regierungschefs Ehud Barak, der sich nach seiner Wahlniederlage Anfang Februar aus der aktiven Politik zurückzog. Die Konturen seiner Palästinenserpolitik sind noch undeutlich. Im Parlament sagte Scharon nach seiner Amtseinführung, bei seinem Treffen mit US-Präsident George Bush am 20. März wolle er diesem seine Pläne für eine Friedenslösung vorlegen.

Palästinenserpräsident Arafat will am Samstagvormittag in Gaza eine "historische Rede" vor dem palästinensischen Parlament halten und sich dabei zum Amtsantritt Scharons äußern. Der palästinensische Geheimdienstchef im Westjordanland, Dschibril Radschub, verlangte von Scharon "dramatische Schritte" zur Beruhigung der Gewalt. Nur so könnten beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte Radschub am Freitag dem israelischen Rundfunk.

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