Israel und Syrien : Angst vorm Frieden

30.04.2010 02:00 UhrVon Charles A. Landsmann
Besetzter Golan. Foto: AFP
Besetzter Golan. - Foto: AFP

Lange stellte Israel die Syrer als Friedensverweigerer dar. Doch nun hat ein ehemaliger israelischer Geheimdienstboss und Chefunterhändler ausgepackt. Und die eigenen Regierungschefs zumindest mitschuldig gesprochen.

Uri Saguy, der frühere Kommandant des militärischen Nachrichtendienstes und Chefunterhändler bei verdeckten und offenen Verhandlungen mit Syrien, spricht damit offen aus, was selbst kritischste Geister in Israel nicht laut zu denken wagten. Jitzchak Rabin, Benjamin Netanjahu, Ehud Barak, Ariel Scharon und Ehud Olmert: Die letzten fünf israelischen Regierungschefs sind verantwortlich dafür, dass bisher kein Frieden mit Syrien geschlossen wurde.

Saguy, Generalmajor der Reserve und der wohl intelligenteste Quer- und Vordenker unter den ehemaligen Militärs, enthüllt in einem Interview in „HaLochem“, dem Blatt der Militärinvaliden, dass alle fünf Regierungschefs im letzten Augenblick vor einem historischen Abkommen zurückgeschreckt sind.

Auch der heutige Amtsinhaber Netanjahu und Verteidigungsminister Barak.

Saguy erläutert detailliert, was in Israel bisher offiziell immer bestritten wurde: Alle fünf Regierungschefs akzeptierten das Prinzip, dass ein Abkommen den vollständigen israelischen Rückzug von den Golanhöhen auf die Linien vom 4. Juni 1967 (Ausbruch des Sechstagekrieges) beinhalten müsse. Darüber hinaus sei man sich sogar einig geworden über dem höchst umstrittenen Verlauf der Grenzlinie vom 4. Juni. Saguy widerspricht damit explizit Netanjahus Behauptung, sein Sondergesandter Ron Lauder habe sich gegenüber den Syrern nicht zum Rückzug auf die 4.-Juni-Linie verpflichtet.

Konsens über Grenzverlauf und Wasserverträge

Saguy führte in den Jahren 1999 und 2000 für die Regierung des damaligen Regierungschefs und heutigen Verteidigungsministers Ehud Barak die Verhandlungen mit Syrien. Geheime Gespräche mit Repräsentanten des damaligen syrischen Herrschers Hafez al Assad und Militärs, offene mit Außenminister Faruk As-Shara. „ Ich zitiere ungern (Syriens Präsidenten) Bashar al Assad“, so Saguy, „aber er hat recht, wenn er sagt, dass 80 Prozent der Probleme gelöst waren.“

Man habe zu fast allen Themen Lösungen gefunden – zu Grenzziehung, Sicherheitsvorkehrungen und für das besonders heikle Wasserproblem. Israels Behauptung, Syrien beanspruche weitgehende Wasserrechte für sich, erweisen sich demnach als gegenstandlos.

Zuletzt hatte Ehud Olmert mit den Syrern verhandelt. Er blieb aber Bashar al Assad die Antwort schuldig auf dessen Frage, ob er alle bis 2000 erzielten Abmachungen und Versprechen seiner Vorgänger einhalten werde. Es sei klar, so Saguy, dass alle künftigen Gespräche mit Syrien exakt bei diesen Übereinkünften wieder aufgenommen werden müssten.

Wäre einer der Regierungschefs seinerzeit über seinen eigenen Schatten gesprungen, so sähe die politische und militärische Landkarte des Nahen Ostens heute anders aus. Vor allem wäre die für Israels Sicherheit gefährliche Achse Teheran-Damaskus-Hisbollah nicht existent und damit Israels Norden nicht bedroht. Feldzüge in den Südlibanon und der zweite Libanonkrieg wären unterblieben.

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