Politik : Israel und Syrien verhandeln in Washington erstmals auf höchster Ebene

Israel und Syrien wollen die neuen Friedensgespräche zum Erfolg führen. Das versicherten der israelische Ministerpräsident Ehud Barak und der syrische Außenminister Faruk el Schara am Mittwoch zum Auftakt ihrer zweitägigen Beratungen in Washington. Bei einer Zeremonie im Garten des Weißen Hauses mit US-Präsident Bill Clinton gab es aber nicht den demonstrativen Handschlag wie zum Beispiel bei ähnlichen Anlässen zwischen israelischen Politikern und Palästinenserpräsident Jassir Arafat.

Nach den Worten Clintons sind für einen Frieden zwischen Syrien und Israel noch mutige Entscheidungen notwendig. "Aber das heutige Treffen ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagte Clinton. "Der Weg zum Frieden kann schwerer sein als der Weg in den Krieg", umriss er die vor den Verhandlungspartnern liegenden Schwierigkeiten. Zum ersten Mal in der Geschichte bestehe aber die Chance zu einem umfassenden Frieden zwischen Israel und Syrien und für die gesamte Region.

Während Barak in einer kurzen Ansprache nur sagte, beide seien gekommen, "die Schrecken des Krieges hinter sich lassen", ging Schara sofort auf den zentralen Punkt der Verhandlungen ein: die Zukunft der seit dem Sechstage-Krieg 1967 von Israel besetzten Golanhöhen. Frieden heiße für Syrien "die Rückgabe allen besetzten Landes". Wer das ablehne, sende den Arabern eine Botschaft, dass es bei dem Konflikt zwischen Israel und den Arabern um "einen Konflikt des Existierens geht, bei dem Blutvergießen nie enden kann", sagte Schara. "Wir nähern uns dem Augenblick der Wahrheit."

Noch nie haben Israel und Syrien auf so hoher politischer Ebene miteinander gesprochen. Auch deshalb gelten die neuen Friedensgespräche bereits als Geschichte machendes Ereignis. In Washington wurde erwartet, dass bei den zweitägigen Gesprächen nur die Grundlagen für die nachfolgenden Detailverhandlungen - Termine sowie Orte für die weiteren Runden auf Beamten- und Diplomatenebene - gelegt werden. Nach der gemeinsamen Begrüßung im Weißen Haus und einer kurzen Dreier-Konferenz wollten Barak und Schara zu getrennten Gesprächen mit Clinton zusammenkommen.

Clinton und US-Außenministerin Madeleine Albright sehen sich in der doppelten Rolle als Gastgeber und Makler. US-Diplomaten warnten am Dienstag vor überzogenen Erwartungen an die erste Verhandlungsrunde.

Barak, der von Außenminister Levy begleitet wird, beschrieb seine Reise als "schwere Mission, deren Ende niemand voraussehen kann". Gleichzeitig betonte er, mit einem umfassenden Frieden in Nahost könne ein stärkeres Israel innerhalb weniger Jahre zu den "fortschrittlichsten, wohlhabendsten Staaten der Welt" zählen.

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