Israel und Türkei : Gemeinsam einsam

Israel und die Türkei nähern sich nach Jahren der Eiszeit an. Davon profitieren beide Staaten, weil beide wenig Freunde haben in der Welt. Eine Analyse

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Anlass für die Eiszeit: Das türkische Schiff Mavi Marmara 2010 im Hafen von Istanbul.
Anlass für die Eiszeit: Das türkische Schiff Mavi Marmara 2010 im Hafen von Istanbul.Foto: AFP

Es hat sehr lange gedauert. Viele Hindernisse mussten aus dem Weg geräumt, Missgunst und Misstrauen überwunden werden. Leicht fiel das weder Israel noch der Türkei. Zu tief war nach dem Eklat um die „Mavi Marmara“ die Kluft zwischen beiden Ländern geworden. Doch nun haben sich Ankara und Jerusalem zusammengerauft. Nach sechs politisch eisigen Jahren wollen beide Regierungen ihren Beziehungsstatus wieder auf Normalnull bringen. Es dürfte beiden nutzen. Und womöglich profitiert sogar der Nahe Osten von dieser Aussöhnung.

Allerdings wäre es naiv zu glauben, alles sei nun vergeben und vergessen. Das Verhältnis beider Länder wird auf absehbare Zeit nicht mehr die Intensität der Vergangenheit erreichen. Die Phase, als türkische Kampfpiloten mit Kollegen aus Israel einträchtig Manöver flogen, ist passé. Heute geht es um eine Zweckgemeinschaft zweier Staaten, die in der Welt nur wenige Freunde haben. Es ist überhaupt schon ein Erfolg, dass die Türkei und Israel wieder auf Tuchfühlung gehen. Immerhin schienen die Beziehungen nach dem Vorfall vor Gazas Küste irreparabel zerrüttet. Ende Mai 2010 hatten israelische Soldaten ein Schiff mit pro-palästinensischen und islamistischen Aktivisten aus der Türkei im Mittelmeer geentert. Die wollten trotz mehrerer Warnungen die Seeblockade vor Gaza durchbrechen. Bei dem Einsatz kamen tragischerweise zehn Türken ums Leben.

Die Abkühlung wird bleiben

Wutschnaubend reduzierte Ankara daraufhin seinen Kontakt zum jüdischen Staat auf ein Minimum, der Botschafter wurde abgezogen. Und Präsident Recep Tayyip Erdogan ließ in der Folge keine Gelegenheit aus, gegen Jerusalems Politik zu wettern – einschließlich bösartiger Hitler-Vergleiche.

In Jerusalem taten die Verantwortlichen daraufhin das, was sie seit Jahren recht gut beherrschen: Sie suchten und fanden neue Partner. Zum Beispiel gibt es zwischen Israel und Griechenland mittlerweile so etwas wie eine wirtschaftspolitische Allianz. Wenn es um den Krieg in Syrien geht, stimmt sich Regierungschef Benjamin Netanjahu längst mit Russlands Präsident Wladimir Putin ab. Saudi-Arabien wiederum ist für Jerusalem ein wichtiger Partner im Kampf gegen die Mullahs in Teheran.

Die Türkei könnte ihren Einfluss auf die Hamas geltend machen

Dagegen ist es um die Türkei und ihren Staatschef immer einsamer geworden. Mit vielen Staaten hat sich das Land am Bosporus durch sein oft unbedachtes und rücksichtsloses Vorgehen überworfen. Da können halbwegs normale Beziehungen zu Israel wahrlich nicht schaden. Von der wiederhergestellten Nähe kann jedoch auch der Judenstaat profitieren. Zum Beispiel, wenn die Türkei ihren Einfluss auf die Hamas geltend macht. Keine Anschläge und Ruhe in Gaza – das wäre für Israel ein echtes Zeichen der Aussöhnung.

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